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Geschäftszahlen

RWE schneidet noch schlechter ab als Eon

Deutschlands zweitgrößter Energieversorger RWE leidet weiter unter dem Einbruch im Erzeugungsgeschäft. Sinkende Großhandelspreise und der milde Winter schmälerten im ersten Halbjahr die Erträge in der einst wichtigsten Sparte. Außerdem fließen keine Gewinne mehr von der zum Verkauf stehenden Dea.

RWE© RWE AG

Essen (dpa-AFX/red) - Wie der Dax-Konzern am Donnerstag mitteilte, ging das um Sondereffekte bereinigte sogenannte nachhaltige Nettoergebnis im ersten Halbjahr um mehr als die Hälfte (62 Prozent) auf 749 Millionen Euro zurück - im zweiten Quartal gab es somit sogar einen Verlust. Wachstumsfelder wie die erneuerbaren Energien sowie der Vertrieb von intelligenten Systemen in Haus- und Verteilnetze können dies nicht kompensieren.

Damit schnitt RWE schlechter ab als Wettbewerber Eon, dessen Gewinn im ersten Halbjahr um ein Fünftel gesunken war. Die Aktie gab bis zum Mittag 2,4 Prozent ab und gehörte zu den größten Verlierern im Dax. Analysten hatten mit besseren Zahlen gerechnet.

Positive Effekte im Vorjahr

Neben sinkenden Margen in der Stromerzeugung der Kohle- und Gaskraftwerke spielte auch ein einmaliger positiver Sondereffekt aus dem vergangenen Jahr eine Rolle. Damals hatte RWE eine Kompensationszahlung des russischen Gasriesen Gazprom über eine Milliarden Euro erhalten. Außerdem fallen bei dem Versorger die Ergebnisbeiträge von Unternehmensteilen weg, die verkauft wurden - etwa der Ferngasnetzbetreiber Net4Gas. Auch Dea fließt nicht mehr ein.

Der Verkauf Hamburger Tochter soll laut Vorstandschef Peter Terium bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Dea soll für 5,1 Milliarden Euro an den russischen Oligarchen Michail Fridman gehen. Darüber hinaus sei mit dem Verkauf der Beteiligung an der Urantochter Urenco nicht vor 2015 zu rechnen. Weitere Verkaufspläne gebe es nicht.

Weitere Kraftwerke sollen wegfallen

Da die Gas- und Kohlekraftwerke kaum noch wirtschaftlich laufen, kündigte RWE Anfang der Woche an, drei weitere Kohlekraftwerke mit einer Leistung zur Stilllegung anzumelden. Außerdem seien Bezugsverträge beendet worden. RWE will insgesamt in Deutschland und in den Niederlanden 9000 Megawatt (MW) vom Netz nehmen, in Großbritannien 5000 MW.

Probleme im Braunkohle-Geschäft drohen

Die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) bringt für die Kraftwerke des Konzerns neues Ungemach. RWE fürchtet neue Millionenlasten für seinen Braunkohletagebau. Das Gesetz sieht vor, die EEG-Umlagebefreiung der Industrie für eigenen Stromverbrauch bis 2017 zu überprüfen. Wenn der von RWE selbst erzeugte Strom für seinen Braunkohle-Tagebau umlagepflichtig würde, könnten dreistellige Millionenlasten auf RWE zukommen, sagte der Konzernchef. Das sei nicht zu verkraften. Braunkohle zählt zu den wenigen gewinnträchtigen Feldern des Unternehmens.

Insgesamt fiel der Umsatz im ersten Halbjahr um zehn Prozent auf 25,1 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging um ein Drittel auf 3,4 Milliarden Euro zurück. Das betriebliche Ergebnis fiel um 40 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Die Prognose für das Gesamtjahr bestätigte RWE. Das Ebitda und das betriebliche Ergebnis veranschlagt RWE weiterhin auf 6,4 bis 6,8 Milliarden Euro beziehungsweise 3,9 bis 4,3 Milliarden Euro. Beim nachhaltigen Nettoergebnis liegt die Prognose-Bandbreite bei 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro.

Die Zahl der Mitarbeiter lag im Ende Juni bei 62.693, vor einem Jahr gab es es noch 5888 Beschäftigte mehr. Das liegt vor allem am Sparkurs des Konzerns. Bis Ende 2016 sollen es noch 61.000 Mitarbeiter sein.