Prognose

RWE rechnet 2013 mit deutlich höheren Strompreisen

Deutschlands größter Stromproduzent RWE rechnet mit einem drastischen Anstieg der Strompreise im kommenden Jahr. Die Rechnung für den Durchschnittshaushalt könne "2013 um zehn Prozent und mehr steigen", sagte RWE-Chef Peter Terium der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagausgabe). Für eine Familie könne dies eine Zusatzbelastung von 60 bis 90 Euro bedeuten.

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München (dapd/red) - Verantwortlich für den Preissprung seien die höhere Förderung erneuerbarer Energien, die steigenden Netzkosten und die weitgehende Befreiung der energieintensiven Industrie von den Netzkosten. Terium betonte, die Stromrechnung werde auch "so schnell nicht wieder sinken".

Bei durch den Preisanstieg drohenden sozialen Problemen sieht der Niederländer aber vor allem den Staat gefordert. Dies sei primär eine Aufgabe der Sozialpolitik. "Wir als Unternehmen können und sollen gar nicht wissen, wer bedürftig ist", sagte er. Terium bekräftigte gleichzeitig den unter seiner Führung vorgenommenen Schwenk des Essener Energieriesen - weg von der Atomkraft, hin zu erneuerbaren Energien. "RWE steigt aus dem Neubau von Kernkraftwerken komplett aus. Das hat strategische Gründe", sagte der Manager.

Der Verkauf der britischen Atomtochter Horizon, die RWE gemeinsam mit dem Konkurrenten E.on betreibt, steht laut Zeitungsbericht kurz vor dem Abschluss. Als Favorit für den Kauf gelte ein Konsortium um den japanischen Hitachi-Konzern. Horizon wollte in Großbritannien nach bisheriger Planung mindestens zwei Atomkraftwerke bauen. Der Preis wird auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt.

"Jetzt holen wir auf"

Das Geschäft von RWE werde sich grundlegend ändern, sagte Terium. Der Konzern sei mit Verspätung bei den erneuerbaren Energien eingestiegen. "Jetzt holen wir auf." So wolle der Konzern etwa verstärkt Solarparks bauen. Die Technik werde immer günstiger. "In Südeuropa kann sie schon wettbewerbsfähig sein. In Deutschland fehlt nicht viel", erklärte er.

"Dass wir die Solartechnik lange komplett abgelehnt haben, war aus heutiger Sicht ein Fehler", sagte Terium. Auf Kritik an seinem Vorgänger Jürgen Großmann verzichtete er jedoch. "Wäre ich damals in seiner Position gewesen, hätte ich auch sehr deutlich für unsere Interessen in der Kernenergie gestritten", erklärte er.

Die Energiewende in Deutschland bezeichnete der Manager als richtige Entscheidung, drängte aber auf eine bessere Umsetzung. "Wir haben auf den ersten Metern vielleicht nicht immer alle Schritte richtig gemacht. Das muss noch besser werden. Sonst wird es schwierig."