Kraftwerksmodernisierung

RWE: Milliardeninvestitionen und Stromverkauf übers Internet geplant

Mit dem größten Investitionsprogramm seiner Geschichte will Deutschlands zweitgrößter Energieversorger RWE die Weichen für die Zukunft stellen und zugleich den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid deutlich zurückfahren. Zudem ist am 1. Juli der Stromverkauf über Internet geplant.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (ddp/sm) - In den nächsten fünf Jahren will das Unternehmen rund 25 Milliarden Euro in neue Kraftwerke sowie in Ausbau und Modernisierung des Stromnetzes investieren, wie der scheidende Vorstandschef Harry Roels am Freitag in Essen ankündigte. Von dieser Summe will RWE mit rund 15 Milliarden Euro den größten Teil in Deutschland investieren. "Mit diesem Programm wären wir einer der größten Einzelinvestoren", betonte Roels. Die RWE-Kraftwerke sollen dann rund 13 Millionen Tonnen weniger Kohlendioxid ausstoßen. Roels warnte vor einer Zerschlagung der Energiekonzerne durch die rechtliche Trennung von Kraftwerken und Netzen: "Wer investiert in neue Leitungen, wenn er diese bald verkaufen soll?"

Bis 2014 soll bei RWE zudem das erste kohlendioxidfreie Kohlekraftwerk ans Netz gehen - wo in Deutschland und ob mit Braun- oder Steinkohle betrieben, will RWE bis Mitte des Jahres entscheiden. Für die Braunkohle sieht Roels dabei langfristige Marktchancen: Neue Technologien ermöglichten die Herstellung von kohlendioxidfreiem Synthesegas aus Braunkohle, das die Abhängigkeit Deutschlands vom Import-Erdgas verringern könne.

Stromvermarktung über Internet

Auch im Kundengeschäft will RWE neue Wege gehen. Ab 1. Juli will der Konzern Strom für Privathaushalte über das Internet vermarkten. Hintergrund ist die dann wegfallende Tarifpreisaufsicht, die nach Erwartung der Branche den Stromwettbewerb um Haushaltskunden verschärfen wird. "Wir wollen Kunden vor allem in Hochpreisregionen durch wettbewerbsfähige Preise gewinnen", so Roels. Im Vorjahr hatte RWE nach eigenen Angaben Haushaltskunde verloren.

Seinen Industrie-Großkundenkunden will RWE ab März eine langfristige Beteiligung an neuen Steinkohle-Kraftwerken anbieten. Das Modell beschränkt sich auf eine Kraftwerksleistung von 1000 Megawatt und sieht vor, dass RWE den Betrieb übernimmt, während die Industrie den Bau anteilig finanziert und dazu über rund 25 Jahre Bezugsrechte für Strom erhält. RWE plant derzeit neue Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von rund 10 000 Megawatt.

Für seine Arbeit bei RWE zog Roels, dessen Vertrag Ende Januar 2008 nach fünf Jahren ausläuft, eine positive Bilanz: "Der Konzern steht finanziell wesentlich besser da als vor vier Jahren. Er hat exzellente Aussichten für Zukunft." Zu seinem Nachfolger hatte der RWE-Aufsichtsrat in dieser Woche den Stahl-Manager Jürgen Großmann bestimmt.