Hauptversammlung

RWE: Kraftwerk in den Niederlanden und Festhalten an Atomkraft

Der RWE Konzern plant den Bau eines kombinierten Steinkohle- und Biomassekraftwerks in den Niederlanden. Harry Roels, Vorstandsvorsitzender der RWE AG, sagte heute auf der Hauptversammlung, die Anlage könnte bei einem optimalen Planungs- und Umsetzungsverlauf 2012 bzw. 2013 ans Netz gehen.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (ddp-nrw/sm) - Der Essener Energiekonzern RWE baut sein europäisches Stammgeschäft weiter aus. Dazu will das Unternehmen neben Milliardeninvestitionen in die bestehende Infrastruktur bis 2012 für 1,5 Milliarden Euro ein neues Großkraftwerk in den Niederlanden bauen, wie Vorstandschef Harry Roels heute auf der Hauptversammlung sagte. Das Kraftwerk in Roels Heimatland soll 3,4 Millionen Haushalte mit Strom versorgen. Mit dem Bau steigt RWE zum größten niederländischen Versorger auf.

Unterdessen soll der angekündigte Verkauf des Wassergeschäfts in Großbritannien und den USA laut Roels bis zur Jahresmitte starten. Mit den Einnahmen will RWE das Geschäft mit Strom und Gas stärken. Insgesamt sollen 2006 bis 2010 rund 17,5 Milliarden Euro in Kraftwerke, Versorgungsnetze sowie in die Öl- und Gasförderung investiert werden. Das seien 3,5 Milliarden Euro pro Jahr und damit eine Milliarde Euro mehr als bisher geplant, betonte Roels.

Aktionärsvertreter kritisierten den Verkauf des Wassergeschäfts. Sie äußerten die Befürchtung, RWE könne dabei Geld verlieren und im Größenvergleich mit dem schärfsten Wettbewerber E.ON in die "zweite Reihe" zurückfallen. Darüber hinaus vermissten sie Pläne für größere Zukäufe. "Warum schränkt sich RWE so ein?", fragte der Sprecher der deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Marc Tüngler.

Mit Ankündigungen neuer Zukäufe blieb Roels aber auf der Hauptversammlung zurückhaltend. Zwar wolle RWE auch langfristig zu den fünf weltweit führenden Strom- und Gasunternehmen gehören. Doch werde RWE "mit Disziplin und Augenmaß" wachsen. Der Konzern setze auf selektives Wachstum und sei dabei "nicht in Eile, auch wenn das in der momentanen Übernahme-Euphorie nicht im Trend liegt", sagte Roels mit Blick auf die E.ON-Pläne zum Kauf des spanischen Versorgers Endesa. RWE sei aber "von Großbritannien bis Bulgarien" gut aufgestellt, sagte Roels.

Für das laufende Geschäftsjahr zeigte sich der RWE-Chef weiter optimistisch. Er bekräftigte die Konzernziele, das Betriebsergebnis um fünf bis zehn Prozent und das Nettoergebnis um zehn bis 20 Prozent zu steigern. Risiken für die Ergebnisziele sieht Roels in den höheren Beschaffungskosten für Brennstoffe und Emissionszertifikate. Mit Blick auf den zurückliegenden Energiegipfel bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) machte sich Roels erneut für einen Erhalt der Atomkraft in Deutschland stark. Im Hinblick auf die hohe Importabhängigkeit der deutschen Energieversorgung sehe er dafür "keine Chance". Für das Kernkraftwerk Biblis A, das einen großen Teil der hessischen Energieversorgung liefert, werde RWE daher eine Verlängerung des Betriebs beantragen.

Das in den Niederlanden geplante kombinierte Steinkohle- und Biomasse-Kraftwerk könnte im Jahr 2012 oder 2013 ans Netz gehen. Dabei werde ein Netto-Wirkungsgrad von 46 Prozent angestrebt. Zurzeit würden zwei mögliche Küstenstandorte für die Anlage geprüft: Rotterdam Maasvlakte oder Eemshaven.

Von Frank Bretschneider