Szenario

RWE könnte ohne Biblis sogar mehr verdienen

Kurzfristig hat RWE durch das Moratorium Kosten im dreistelligen Millionenbereich. Doch der Energiekonzern könnte bei einer Abschaltung der Atomreaktoren in Biblis mittelfristig sogar mehr Geld verdienen als bei einem Weiterbetrieb der Meiler. Die Voraussetzung: ein steigender Strompreis.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Hamburg (dapd/red) - Ein RWE-Sprecher bestätigte am Wochenende auf dapd-Anfrage einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Voraussetzung hierfür sei aber, dass der Strompreis steige, fügte der Sprecher hinzu.

Das Nachrichtenmagazin berief sich auf ein im Sommer 2010 erstelltes Szenario. Demnach würde ein Abschalten der Meiler die Strommenge verknappen und den Strompreis steigen lassen. Davon würden die nur teilweise ausgelasteten Kohlekraftwerke beim Stromanbieter profitieren. Die Zusatzgewinne dort könnten laut RWE-Szenario die Ausfälle in Biblis mittelfristig deutlich übersteigen, zumal der Bund durch die Brennelementesteuer Teile des Atomgewinns abschöpfe, schrieb das Magazin.

Der RWE-Sprecher sagte, mittelfristig sei ein solcher Effekt zwar denkbar. Es sei aber unklar, ob die Strompreise tatsächlich entsprechend steigen. Es sei ebenfalls denkbar, dass die durch den Ausstieg fehlenden Strommengen durch Importe aus dem Ausland ausgeglichen würden. Klar sei hingegen, dass RWE durch das Moratorium der Bundesregierung kurzfristig Verluste in dreistelliger Millionenhöhe zu verkraften habe.

Das Szenario wurde laut Magazin auch dem Aufsichtsrat zugeleitet. Die Kontrolleure wollen RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann auf einer Sitzung am Dienstag zu seinen Plänen befragen. Am Mittwoch findet die Hauptversammlung beim Stromanbieter statt.