Bilanz

RWE kann Schulden trotz Gewinnrückgang senken

Bei RWE ist der Gewinn im Tagesgeschäft auch zu Beginn des Jahres im Vergleich zu den Zahlen von 2014 weiter gesunken. Allerdings kam der Verkauf der Öl- und Gasfördertochter Dea dem Konzern zugute und sorgte dafür, dass sich der Schuldenberg um rund zehn Prozent reduzierte.

RWE

Essen (dpa-AFX/red) - Der zweitgrößte deutsche Energiekonzern RWE hat auch zu Jahresbeginn seinen Gewinnrückgang im Tagesgeschäft nicht stoppen können. Das betriebliche Ergebnis sackte verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 5,1 Prozent auf 1,63 Milliarden Euro ab, wie das Unternehmen am Mittwoch in Essen mitteilte. Dabei fraßen sich die eingebrochenen Strompreise im Großhandel weiter in die Bilanz hinein. Die Kraftwerkssparte verdiente deshalb fast ein Viertel weniger als vor einem Jahr. Analysten hatten mit Rückgängen in dieser Größenordnung gerechnet. Die Aktie legte vorbörslich um 1,1 Prozent zu.

Gewinnplus durch Dea-Verkauf

Unter dem Strich allerdings verbuchte RWE vor allem dank eines Einmaleffekts ein kräftiges Gewinnplus von 118 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Der im März abgeschlossene Verkauf der Öl- und Gasfördertochter Dea an ein Konsortium des russischen Oligarchen Michail Fridman spülte inklusive Zinsen 5,3 Milliarden Euro in die Kassen. Der Preis lag über dem Dea-Wert in den RWE-Büchern, so dass der Konzern sich einem Sondergewinn von etwa 1,5 Milliarden Euro gut schreiben konnte. Dank des Verkaufs sanken die Schulden seit Jahresbeginn um gut zehn Prozent auf 27,7 Milliarden Euro.

Ökostrom und Gas verbessern die Bilanz

Während die Talfahrt der konventionellen Kraftwerke sich beschleunigte, legte der Gewinn der Ökostromsparte des Konzerns kräftig zu. Dabei zahlen sich Investitionen vor allem in große Windparks zunehmend aus. Auch der insgesamt kühlere Winter als vor einem Jahr half dem Konzern und ließ den Gasabsatz steigen. So kletterte der RWE-Umsatz um knapp drei Prozent auf 14,6 Milliarden.

Hoffnung auf eine allmähliche Erholung der Geschäfte machte das Unternehmen weiter nicht. Der Vorstand bestätigte seine Prognose, wonach das betriebliche Ergebnis In diesem Jahr um bis zu zwölf Prozent auf 3,6 bis 3,9 Milliarden Euro sinken soll. Bei dem um Sondereffekte bereinigten nachhaltigen Nettoergebnis stellt das Unternehmen weiter 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro in Aussicht, 2014 waren es noch 2,3 Milliarden.

Sorge wegen der Klimaabgabe

Dabei trifft der Strompreisverfall RWE mit zunehmender Wucht. Bislang hatte der Konzern noch davon profitiert, dass ein Großteil der eigenen Stromproduktion Jahre im Voraus zu festen Preisen verkauft wird. Dieser Vorteil wird nun immer kleiner und RWE rutscht tiefer in die Krise.

Ein weiterer Schlag für den Konzern wäre der von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) geplante Klimabeitrag für alte Kohlekraftwerke. RWE sieht dadurch die Substanz des Unternehmens und Zehntausende Arbeitsplätze gefährdet. RWE hofft, den Wirtschaftsminister umstimmen zu können. Als größter Braunkohleverstromer der Republik wäre der Konzern von der Abgabe besonders betroffen.

Festhalten am alten Geschäftsmodell

Bislang versucht RWE, sein altes Geschäftsmodell zu verteidigen und weiterhin von der Erzeugung bis zum Vertrieb alles aus einer Hand anzubieten. Eine Aufspaltung wie beim Konkurrenten Eon wollen die Essener vermeiden und hoffen, mit Einsparungen aus der Krise zu kommen. Doch bislang gelingt es dem Management nicht, die Kosten so schnell zu drücken wie die Gewinne wegbrechen.