Talfahrt

RWE-Gewinn schrumpft rapide

Ähnlich wie Eon leidet auch der zweitgrößte Energiekonzern RWE unter sinkenden Gewinnen. Auch hier haben die Energiewende und der milde Winter Einfluss auf die Einnahmen aus der konventionellen Stromerzeugung. Ein weiteres Problem: Der Verkauf der Gasfördertochter Dea steht auf der Kippe.

RWE© RWE AG

Essen (dpa-AFX/red) - Der zweitgrößte deutsche Energiekonzern RWE steckt weiter in der Krise. In den ersten neun Monaten dieses Jahres brach der für die Dividendenberechnung wichtige nachhaltige Nettogewinn um 60 Prozent auf 763 Millionen Euro ein, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Neben der Energiewende gibt es neue Sorgen: Der längst sicher geglaubte milliardenschwere Verkauf der Öl- und Gasfördertochter Dea wackelt. An der Börse ging es abwärts. Mit einem Minus von 3,5 Prozent war RWE schwächster Wert im Dax.

Vorstandschef Peter Terium räumte in seinem Brief an die Aktionäre ein, dass der Zeitplan für den Dea-Verkauf möglicherweise nicht mehr zu halten ist: "Ob wir die Gespräche bereits 2014 abschließen können, lässt sich derzeit nicht absehen." Eigentlich wollte RWE die Hamburger Tochter bis zum Jahresende für 5,1 Milliarden Euro an ein in Luxemburg ansässiges Unternehmen des russischen Oligarchen Michail Fridman verkaufen.

RWE benötigt den Erlös aus dem DEA-Verkauf

Doch die britische Regierung blockiert wegen der politischen Sanktionen gegen Russland dieses Geschäft. Die Bundesregierung hatte dem Verkauf im August trotz der Ukraine-Krise zugestimmt. Die Regierung in London verfügt über ein Mitspracherecht, da auch Förderprojekte in Großbritannien betroffen sind. "Wir arbeiten daran, die Transaktion zügig abzuschließen", erklärte Terium. "Allerdings stehen noch einige Zustimmungen Dritter aus." Ein Scheitern des Verkaufs wäre für die Pläne zum Abbau der hohen Schulden ein schwerer Rückschlag. Ende September hatte RWE netto 30,7 Milliarden Euro Verbindlichkeiten.

Gewinn sinkt um 22 Prozent

In den ersten neun Monaten sackte der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) um 22 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro ab. Der Konzern bestätigte seine Prognose für 2014. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) soll demnach von 8,8 Milliarden im vergangenen Jahr auf 6,4 bis 6,8 Milliarden Euro sinken. Beim nachhaltigen Nettoergebnis liegt die Prognose-Bandbreite bei 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro (2013: 2,3 Milliarden).

Ein Euro pro Aktie

Trotz der Talfahrt bemühte sich Finanzchef Bernhard Günther, Befürchtungen vor einer weiter sinkenden Dividende vorerst zu zerstreuen. Der Konzern wolle weiter 40 bis 50 Prozent des nachhaltigen Überschusses an die Aktionäre ausschütten. Das müsse nicht zwangsläufig weniger sein als vor einem Jahr. Zu dem Zeitpunkt hatte der Konzern angesichts seiner großen Probleme eine Ausnahme von der Dividendenpolitik gemacht. Die Zahlung von einem Euro pro Aktie lag deutlich unter der angestrebten Quote.

Terium: Bisher keine Überraschungen

Vorstandschef Terium betonte, dass die Entwicklung so erwartet worden sei. Das Jahr habe bislang keine großen Überraschungen gebracht. So leidet die konventionelle Stromerzeugung von RWE weiter unter den wegen des Booms der erneuerbaren Energien unter Druck stehenden Preisen im Großhandel. Zudem schlägt sich der vergangene milde Winter in der Bilanz nieder. Vor einem Jahr hatte RWE außerdem eine einmalige Kompensationszahlung des russischen Gasriesen Gazprom von einer Milliarde Euro erhalten.

Hoffnung auf Geschäfte im Ausland

Hoffnung setzen die Essener auf das Ausland. In Großbritannien startet im Dezember eine erste Auktion für Kraftwerkskapazitäten. RWE bewirbt sich dort mit mehreren Kraftwerken und insgesamt acht Gigawatt Kapazität. Sollte das Unternehmen den Zuschlag erhalten, würde es nicht nur für verkauften Strom, sondern auch für das Bereithalten von Anlagen eine Vergütung bekommen.

Genau das fordern RWE und große Teile der Branche auch für Deutschland, wo konventionelle - vor allem Gaskraftwerke - häufig wegen der Konkurrenz von günstiger Wind- und Sonnenenergie stillstehen. Modelle für Kapazitätsmärkte sind auch in den Niederlanden und Belgien in der Diskussion. Frankreich hat sich bereits für ein Modell entschieden. RWE werde sich im Ausland auf alle Ausschreibungen bewerben, sagte Günther.