Großhandelspreise

RWE-Finanzchef rechnet mit weiteren Gewinneinbußen

RWE-Finanzchef Bernhard Günther sieht weiterhin schwere Zeiten auf den zweitgrößten Energiekonzern Deutschlands zukommen. Ursache sind Günther zufolge hauptsächlich die sinkenden Strompreise, durch die mit den konventionellen Kraftwerken keine großen Gewinne mehr eingeholt werden können.

RWE

Frankfurt (dpa-AFX) - Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern RWE rechnet erst im übernächsten Jahr mit einer Beruhigung bei den sinkenden Kraftwerksmargen. "Wenn die Strompreise und die Regulierung so bleiben wie bisher, dann wird unser Ergebnis in der Stromerzeugung nicht nur 2015, sondern auch 2016 noch einmal weiter bergab gehen", sagte Finanzchef Bernhard Günther der "Börsen-Zeitung" (Samstag). Erst ab 2017 werde sich das aktuelle Strompreisniveau auch in den Ergebnissen widerspiegeln.

Günther: Keine hohen Gewinne mit konventionellen Kraftwerken

Nach Angaben von Günther haben sich die Großhandelspreise für Strom seit Jahresbeginn zwar auf niedrigem Niveau stabilisiert. Im Moment verbuche RWE aber nur deshalb noch Gewinne im Kraftwerksgeschäft, weil die Preise für die Produktion vor zwei oder drei Jahren noch auf einem höheren Niveau gesichert worden seien (Hedging). Günther sprach von einer "Mär", dass RWE heute noch mit irgendwelchen konventionellen Kraftwerken hohe Gewinne einfahren könne. Dies gelte auch für die Braunkohlemeiler. "Wenn der Strombörsenpreis wie in den letzten Jahren immer weiter sinkt, so frisst er sich auch immer tiefer in die Deckungsbeiträge für unsere Braunkohlekraftwerke hinein", warnte der Finanzchef.

Erstmal keine Konzernaufspaltung

Die Braunkohle sei bei höheren Preisen ein richtiges Asset für RWE gewesen. Mittlerweile drohe die Braunkohle aber zu einer Belastung für den Konzern und zu einem "Klumpenrisiko" zu werden. Eine Aufspaltung des Konzerns wie bei Eon lehnte Günther dennoch erneut ab. "Man kann auch heute noch Synergien entlang der Wertschöpfungskette heben", betonte er. Kategorisch ausschließen könne er eine Aufspaltung aber auch nicht, sollte sich die Situation in der konventionellen Stromerzeugung weiter verschlechtern.