Zurückhaltung

RWE erwartet Stopp zahlreicher Kraftwerksprojekte in Europa

Die europäische Energiewirtschaft muss sich nach Einschätzung des Energiekonzerns RWE darauf einstellen, dass ein großer Teil der derzeit angekündigten Kraftwerks-Neubauten noch gestoppt wird. Grund seien Lieferengpässe sowie Planungsunsicherheit wegen dem Emissionshandel.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Köln (ddp-nrw/sm) - Von den bis 2012 geplanten Projekten mit einer Gesamtkapazität von 134 Gigawatt würden voraussichtlich nur rund 60 Prozent realisiert, sagte der Kraftwerksvorstand des Konzerns, Ulrich Jobs, am Dienstag in Köln.

Zur Begründung verwies Jobs auf die im vergangenen Jahrzehnt geschrumpften Kapazitäten der europäischen Anlagenbauer. "Der Herstellermarkt ist regelrecht ausgetrocknet", sagte er. Zugleich gebe es jetzt eine weltweit hohe Nachfrage, unter anderem auch aus China und Indien. Dies habe bereits zu Lieferengpässen und steigenden Anlagenpreisen geführt. Nach Angaben von Jobs haben sich durch diese Entwicklung unter anderem die Baukosten von Kohlekraftwerken seit 2005 um rund 30 Prozent erhöht.

Die derzeit festzustellende Investitions-Zurückhaltung sei auch auf fehlende Größe der Unternehmen zurückzuführen. Als eine weitere "Investitionsbremse" bezeichnete Jobs aktuell auch den Emissionshandel. Es fehle jegliche Planungssicherheit, kritisierte er. Für die Zeit nach 2012 sei "alles offen".

RWE will bis 2012 allein in Deutschland über sieben Milliarden Euro in neue Kraftwerke investieren. Weitere fünf Milliarden Euro sind für neue Erzeugungskapazitäten des Konzerns in Großbritannien und den Niederlanden vorgesehen. In Deutschland müssen in den kommenden zwei Jahrzehnten viele Kraftwerke altersbedingt ersetzt werden. Nach Angaben von Jobs sind Ersatzkapazitäten von 45 Gigawatt mit Investitionen in der Branche von über 50 Milliarden Euro zu erwarten. In Europa seien bis 2030 insgesamt 400 Gigawatt an neuer thermischer Kraftwerksleistung nötig.