Kein doppelter Ausstieg

RWE-Chef warnt vor Ausstieg aus Kohleverstromung

Der neue RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann hat nach dem negativen Bürgerentscheid über den Neubau eines Kohlekraftwerks im saarländischen Ensdorf eindringlich vor den weitreichenden Konsequenzen eines schleichenden Ausstiegs aus der Kohleverstromung gewarnt.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Hamburg (ddp-rps/sm) - Großmann sagte dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", dass ein "doppelter Ausstieg aus Kernkraft und Kohle" für den Industriestandort Deutschland unmöglich zu verkraften sei. "Wir müssten unsere Gasimporte um über 50 Prozent erhöhen", erläuterte Großmann. Mit erneuerbaren Energien wie Wind sei "das nicht auszugleichen".

Großmann kündigte an, dass RWE seine "Kompetenz in puncto Kohle- und Kernkraftwerke" erhalten wolle. Sollte die allgemeine Stimmung sich gegen Großkraftwerke richten, müsse der Konzern eben "im Ausland investieren". Zugleich sagte der RWE-Chef, dass sein Unternehmen in der laufenden Legislaturperiode kein Atomkraftwerk abschalten werde. Der umstrittene Reaktor in Biblis könne so gefahren werden, "dass wir mit den Restlaufzeiten über die nächste Bundestagswahl kommen. Und dann gibt es vielleicht ein anderes Denken in Bevölkerung und Regierung".

Für den geplanten Energiegipfel regte Großmann an, in der Branche über neue Strompreismodelle und -moratorien nachzudenken. So könne man etwa die "Preise für Haushaltskunden für zwei oder drei Jahre festlegen". Oder man könne "nächtliche Flatrates" einführen. Es gebe eine Fülle von Ideen, sagte Großmann. Man könne zudem ein "unabhängiges Transparenzbüro beim Kartellamt oder bei der Bundesnetzagentur" einrichten, das die Daten der Stromkonzerne prüft.