Längere Laufzeiten

RWE-Chef schlägt neuen Atomkonsens vor

Die Agenturmeldung vom Freitag, in der es hieß, Union und SPD hätten sich in wichtigen Fragen der Energiepolitik endlich geeinigt, war offensichtlich eine Ente. Während die Koalitionsverhandlungen noch immer stocken, sprach sich RWE-Chef Roels am Wochenende erneut dafür aus, den Atomausstieg zu überdenken.

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Frankfurt/Main (ddp/sm) - RWE-Chef Harry Roels hat sich am Wochenende für längere Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke ausgesprochen. Dies könnte zu niedrigeren Strompreisen beitragen, weil sich Deutschland so auch unabhängiger von teureren Energieimporten machte, sagte Roels der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Außerdem stießen Kernkraftwerke kein Kohlendioxid aus und man gewänne Zeit, um kohlendioxidfreie Kraftwerke und alternative Energien zu entwickeln.

Roels gab zu bedenken, wenn die deutschen Kernkraftwerke wie geplant abgeschaltet würden, müssten statt dessen andere konventionelle Kraftwerke errichtet werden. Diese emittierten zusätzliches Kohlendioxid. "Dazu vernichten wir Kapital, wenn wir Kraftwerke vor ihrem technischen Ende abschalten", sagte Roels.

RWE glaube, dass Schacht Konrad bei Salzgitter und Gorleben in Niedersachsen als Endlagerstätten in Frage kommen und eine angemessene ideologiefreie Überprüfung verdienten. Für die bisher ungelöste Frage der Endlagerung radioaktiver Abfälle könne es eine angemessene Lösung geben.

Roels betonte, er ziehe damit nicht den Atomkonsens mit der Bundesregierung in Zweifel, dem RWE und die anderen Energieversorger zugestimmt hatten. "Wir halten uns an die Vereinbarungen. Dazu stehen wir", sagte Roels. Die Versorger stünden aber gerne "für Gespräche über eine langfristige Energiepolitik zur Verfügung." Die Entscheidung darüber liege jedoch ganz eindeutig bei der Politik.