Entscheidung am Mittwoch

RWE-Chef Roels muss angeblich um seinen Job bangen

Einem Bericht der "Welt am Sonntag" zufolge ist die Zukunft von Harry Roels als Chef des Energieriesen RWE ungewiss. Wie die Zeitung gestern berichtet, will ihm der Aufsichtsrat mangels Profil wohl keinen neuen Fünfjahresvertrag anbieten. Für die neue Phase wird ein aggressiverer Managertyp gesucht, hieß es weiter.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Essen (ddp-nrw/sm) - Der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns RWE, Harry Roels, muss einem Zeitungsbericht zufolge um seinen Job bangen. Wie die "Welt am Sonntag" gestern berichtete, will der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Fischer auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am kommenden Mittwoch Roels "dem Vernehmen nach" keinen neuen Fünfjahresvertrag anbieten. Bestenfalls sei eine zweijährige Verlängerung möglich, heißt es in dem Blatt.

Die Kritiker im Aufsichtsrat werfen Roels dem Blatt zufolge vor, sich nie über das erforderliche Mindestmaß hinaus in die Politik eingemischt zu haben. Dabei habe die Energiewirtschaft in den vergangenen Jahren unter Dauerbeschuss durch Verbraucherschützer, Kartellbehörden und Wettbewerbspolitiker gestanden. Zudem würden gerade jetzt auf internationaler und nationaler Ebene jene Regeln, Richtlinien und Gesetze beschlossen, die das Schicksal der Versorgerbranche für die nächsten 30 Jahre bestimmen dürften.

Außerdem würden finanzkräftige Energiekonzerne eine feindliche Übernahme der RWE durchrechnen, heißt in dem Bericht weiter. Für die neue Phase, die nun für den Konzern beginnt, bedürfe es eines aggressiveren Managertyps und politischen Netzwerkers, sagt einer der Kritiker: "Roels hat strategisch zu wenig gebracht."

Unterdessen berichtete die "Rheinische Post" am Samstag unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise, dass Roels den Energiekonzern nach einer Vertragsverlängerung erneut umbauen will. Ins Visier genommen habe Roels vor allem die Netz- und Vertriebsgesellschaft RWE Energy. Sie solle sich künftig vor allem um den Service des Energiekonzerns kümmern. Welche der anderen Funktionen sie behalte, sei noch unklar. Ursprünglich habe ein Geheimplan unter dem Code-Namen "Tony" vorgesehen, das Netz des Unternehmens zu verkaufen. Davon habe RWE jedoch inzwischen Abstand genommen.

Wie die "Financial Times Deutschland" (Montagsausgabe) berichtet, habe der RWE-Aufsichtsrat bereits einen möglichen Nachfolger gefunden. Bei der Sitzung am Mittwoch wolle Aufsichtsratschef Thomas Fischer eine Entscheidung herbeiführen. Die Mitarbeitervertreter im Gremium hätten bereits Unterstützung für Fischers Kandidaten signalisiert.