Drohende Versorgungsengpässe

RWE-Chef Großmann: Neue Kohlekraftwerke nicht verteufeln

Die Energiebranche warnt davor, den Energieträger Kohle zu verteufeln. "Heute auf Kohle zu verzichten, schafft morgen Versorgungslücken", sagte RWE-Chef Jürgen Großmann dem "Handelsblatt". "Die Welt setzt auf Kohle, jedenfalls bei 70 Prozent aller derzeit im Bau befindlichen Kraftwerke", sagte Großmann.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf/Berlin (ddp/sm) - Alte durch neue Kohlekraftwerke zu ersetzen, erhöhe in Deutschland die Versorgungssicherheit, den Wettbewerb und diene zudem dem Umweltschutz. Bevölkerung und Politik sollten daher ihren Widerstand gegen Kohlekraftwerke aufgeben, sagte Großmann. Der RWE-Chef stützt damit die Position des Konkurrenten Vattenfall, der um sein Hamburger Kraftwerksprojekt Moorburg fürchten muss.

Unterstützung erhielt die Energiebranche auch aus der Wissenschaft. Claudia Kemfert, Energieexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), warnte davor, die Gefahr drohender Engpässe zu unterschätzen. Der wachsende Widerstand gegen Kohlekraftwerke sei ein ernstzunehmendes Problem. "Es stellt sich die Frage, inwieweit die Versorgungssicherheit gewährleistet bleibt", sagte Kemfert dem "Handelsblatt".

Auch die Deutsche Energie-Agentur (dena) warnt vor den Folgen einer Blockade beim Neubau von Kraftwerken mit fossilen Brennstoffen. "Bis zum Jahr 2020 bekommen wir in Deutschland ein großes Problem, wenn nicht neue, hoch effiziente Kraftwerke auf Kohle- und Erdgasbasis gebaut werden", sagte Dena-Geschäftsführer Stephan Kohler der "Berliner Zeitung". Dann "besteht ein großer Druck auf die Verlängerung der Laufzeit von alten Kraftwerken, auch von Atomkraftwerken." Die Investitionsentscheidungen müssten in den nächsten zwei, drei Jahren fallen, sonst bestehe die Gefahr einer Stromlücke, sagte Kohler.