Abschied von Roels

RWE-Aktionäre loben Arbeit des scheidenden Vorstandschef

Für den scheidenden RWE-Vorstandschef Harry Roels hätte der Abschied von den Aktionären nicht schöner ausfallen können. Lautstarken Applaus und viel Lob gab es auf der Hauptversammlung für den Niederländer, der Ende Januar 2008 den Chefsessel des Energieversorgers nach fünf Jahren im Amt räumt.

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Essen (ddp/sm) - "Exzellente Arbeit" bescheinigte auch RWE-Aufsichtsratschef Thomas Fischer dem 59-jährigen Manager. Der WestLB-Vorstandsvorsitzende als oberster Kontrolleur des Energieriesen geriet denn auch unter Erklärungsdruck der Aktionäre: "Warum machen sie Herrn Roels zum fliegenden Holländer?" und "Was hat Herrn Fischer bewogen, den guten Herrn Roels zu entlassen?" lauteten einige der gestellten Fragen. Schließlich konnte RWE unter der Regie von Roels seine Schulden abbauen und den Aktienkurs vervierfachen - sehr zur Freude der Anteilseigner.

Unverständnis darüber, warum der erklärtermaßen erfolgreiche Roels gehen muss, war auf der Aktionärsversammlung von vielen Stimmen zu hören. Offiziell ist für Roels Ausscheiden die von RWE festgelegte oberste Altersgrenze von 60 Jahren maßgebend. Doch hatte Roels seine Bereitschaft erklärt, noch ein Jahr länger den Energieriesen zu steuern. Dass der RWE-Aufsichtsrat das Angebot nicht akzeptierte, wurde als interne Kritik an Roels interpretiert. Zu wenig visionär soll Roels gewesen sein und zu wenig vernetzt in der Politik.

Fischer beließ es bei kurzen Antworten auf die Aktionärsfragen: "Eine Vertragsverlängerung um ein Jahr erschien uns zu kurz", sagte er. Diese Entscheidung habe der Aufsichtsrat einstimmig getroffen. "Die Altersgrenze ist Bestandteil der Fünfjahresverträge", ergänzte Fischer und hob in diesem Zusammenhang hervor, dass Roels "nicht entlassen" worden sei.

Den künftigen RWE-Chef Jürgen Großmann lobte Fischer als "exzellenten Nachfolgekandidaten". Der Stahlmanager, der im Februar überraschend berufen worden war, hat unter anderem Klöckner Edelstahl in Georgsmarienhütte erfolgreich saniert. Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kritisierten dagegen, dass Großmann mit seinem Eintreten bei RWE schon 56 Jahre alt sei und damit ebenfalls nur eine kurze Zeit habe.

Spekulationen über ein vorzeitiges Ausscheiden des noch amtierenden RWE-Chefs wiesen Roels und Fischer gleichermaßen zurück. "Niemand im Aufsichtsrat will den Vertrag von Herrn Roels vorzeitig beenden", sagte Fischer.

Dass Großmann bei RWE ein gut bestelltes Haus übernimmt, machte Roels auf seiner letzten Hauptversammlung noch einmal klar: "Wir haben allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu schauen." In den nächsten Jahren soll das betriebliche RWE-Ergebnis um durchschnittlich fünf Prozent jährlich zulegen, Wachstumsmotor soll dabei ein umfassendes Investitionsprogramm sein.