Planungen

Russland will mehr Öl über die Ostsee transportieren

Nach dem russisch-weißrussischen Ölstreit und dem zeitweisen Lieferstopp plant Moskau, große Teile des für Westeuropa bestimmten Rohstoffs künftig nicht mehr durch die "Drushba"-Trasse über weißrussisches Territorium zu leiten. Der Vorschlag, Tankschiffe einzusetzen, stößt in Deutschland auf Kritik.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Die russische Regierung habe "intensive Konsultationen mit Transneft darüber eingeleitet", sagte der stellvertretende russische Wirtschaftsminister Andrej Scharonow der "Berliner Zeitung". Transneft ist der Betreiber des "Drushba"-Pipeline-Netzes, das von Russland nach Westen führt.

Die Diversifizierung der Transportwege für Öl sei aus russischer Sicht die "wichtigste, schwierigste und teuerste Maßnahme", um die Interessen seiner westeuropäischen Kunden zu wahren, betonte Scharonow. In erster Linie stehe eine Umleitung des Öls in den russischen Ostseehafen Primorsk zur Debatte. Dafür solle die Umschlagskapazität des nördlich von St. Petersburg am Finnischen Meerbusen gelegenen Hafens um 45 Millionen Tonnen auf 120 Millionen Tonnen jährlich ausgebaut werden. Das sei die Hälfte der durch Weißrussland laufenden Transitmenge, sagte der Minister.

Die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern sind besorgt wegen der von Russland angekündigten zusätzlichen Öltransporte über die Ostsee. Die Partei spreche sich eindeutig gegen höhere Umschlagskapazitäten in russischen Ölhäfen aus, sagte Landesvorstandssprecherin Ulrike Berger am Dienstag in Greifswald. Die unsichere Erdölversorgung würde dann nur in eine Unsicherheit für europäische Gewässer und Strände verwandelt und ein Risiko durch ein anderes ersetzt. Auch wenn ab 2010 Einhüllentanker europäische Häfen nicht mehr anlaufen dürften, sei das Risiko einer Ölkatastrophe längst nicht gebannt.

Die ökologischen Schäden durch Förderung, Transport und Verbrennung von Erdöl seien gravierend, betonte Berger. Der Plan der russischen Regierung für die verstärkte Verschiffung von Rohöl sollte zudem Anlass sein, über die Haftung bei Tankerunfällen neu nachzudenken.

Auch der WWF kritisiert die Pläne der russischen Regierung. "Der Seeweg ist keine Alternative zu den Öl-Pipelines an Land. Die Schifffahrtsrouten auf der Ostsee sind dicht, die Zahl der Unfälle hat sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt. Mehr Tanker steigern das Risiko einer Ölpest", kommentiert WWF-Ostseeexperte Jochen Lamp. 2005 kam es den Angaben zufolge zu 151 Unglücken. In den Jahren 2000 bis 2003 waren es im Schnitt 60. "Ein Trend, der den zunehmenden Schiffsverkehr widerspiegelt", so Lamp. "Bislang sind wir nur mit viel Glück an einer Ölkatastrophe vorbei geschrammt."

Seit 2006 gilt die Ostsee als "Besonderen Empfindlichen Meeresgebiet" (PSSA). Daraus resultieren besondere Schutzmaßnahmen wie die Einrichtung von Verkehrstrennungsgebieten und Tabuzonen für den Schiffsverkehr. "Das reicht aber noch nicht. Wir brauchen weitere Schutzmaßnahmen wie die Lotsenpflicht, besondere Routen für Frachter mit gefährlichen Ladungen und weitere Tabzuzonen in ökologisch sensiblen Gebieten. Zudem muss Russland endlich dem PSSA-Abkommen beitreten", so Lamp.