Gas-Frieden

Russland und Ukraine einigen sich im Gasstreit (Upd.)

Kurz vor einer Eskalation haben sich Russland und die Ukraine offensichtlich in punkto Gaslieferungen geeinigt, melden russische Zeitungen. Gasprom will die seit Tagen geltende Lieferblockade gegen das Nachbarland aufheben. Die Ukraine wird künftig 95 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas bezahlen.

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Moskau (ddp/sm) - Russland und die Ukraine haben ihren Streit über Gaslieferungen beigelegt, der zwischenzeitlich auch zu Beeinträchtigungen in Deutschland geführt hatte. Wie Gasprom und Naftogas am Mittwoch in Moskau mitteilten, hebt der russische Energiekonzern damit seinen am Neujahrstag begonnenen Lieferboykott gegen das Nachbarland, durch das Gaspipelines nach Westeuropa führen, auf.

Der Vereinbarung zufolge verkauft Gasprom für künftig 230 Dollar je 1000 Kubikmeter das für die Ukraine bestimmte Gas an einen Zwischenhändler. Die Handelgesellschaft Rosukrenergo, eine Gasprom-Tochter, soll das Erdgas dann für 95 Dollar an die frühere Sowjetrepublik weiterverkaufen. Dies sei möglich, weil Rosukrenergo auch billiges Erdgas aus Zentralasien zukaufe und damit einen günstigeren Preis machen könne.

Bislang wurde die Ukraine zum Vorzugspreis von 50 Dollar je 1000 Kubikmeter Gas beliefert. Nachdem das Land nicht bereit war, den von Gasprom verlangten Preis von 230 Dollar zu bezahlen, hatte Russland eine Lieferblockade verhängt. Als Gegenleistung für die Gaspreisverdopplung kann die Ukraine künftig höhere Transitgebühren verlangen. Statt 1,09 Dollar sollen in Zukunft 1,60 Dollar für 1000 Kubikmeter Gas je 100 Kilometer Pipeline-Strecke fällig werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die Einigung im Gasstreit. Merkel sei zufrieden mit dem Kompromiss, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Die Energiepartnerschaft mit Russland bleibe ein strategischer Eckpfeiler der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen. Das Thema werde auch beim Treffen Merkels mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am 16. Januar in Moskau eine Rolle spielen.

In Brüssel werden heute dennoch die EU-Gasexperten die aktuelle Versorgungssituation in den einzelnen Mitgliedstaaten analysieren. Energiekommissar Andris Piebalgs will mit der Einberufung der Gasexperten eine Bestandsaufnahme über die aktuelle Situation in den 25 Mitgliedstaaten vornehmen und Informationen über deren Mindestreserven einholen.