Zurückhaltende Regierung

Russischer Botschafter fordert mehr Einsatz für Ostsee-Pipeline

Der russische Botschafter in Berlin, Wladimir Kotenev, hat die Bundesregierung zu mehr Einsatz für die umstrittene Ostsee-Erdgas-Pipeline aufgefordert, um das Projekt vor dem Scheitern zu bewahren. Bereits jetzt sei der Zeit- und Kostenplan durch den Widerstand einiger Länder beeinträchtigt.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Hamburg (red) - "Ich würde mir schon viel mehr Einsatz wünschen, ganz besonders in der Europäischen Kommission", sagte Kotenev in einem Interview mit dem Online-Magazin stern.de. Auf die Frage, ob das Kanzleramt noch an dem Projekt interessiert sei, antwortete Kotenev: "Ich habe nichts Gegenteiliges gehört. Man ist interessiert, aber wir möchten schon viel mehr Bewegung in dieser Sache." Er hoffe nicht, dass das Projekt überhaupt gefährdet sei, "aber die Schwierigkeiten liegen auf der Hand. Vor allen Dingen im Moment mit unseren schwedischen und finnischen Nachbarn."

Gegen die Pipeline werden in Schweden, Finnland, den baltischen Staaten und Polen vor allem Umweltbedenken, aber auch politische Einwände ins Feld geführt. Schon jetzt sei absehbar, dass dadurch Zeitplan und Kostenrahmen für die 1200 Kilometer lange Röhre zwischen dem russischen Wyborg und dem deutschen Greifswald nicht mehr eingehalten werden könnten, so Kotenev. Die Gasleitung sollte eigentlich ab Sommer 2009 in der Ostsee verlegt werden und 2010 fertig sein. Als Baukosten waren rund fünf Milliarden Euro vorgesehen. Kotenev bestätigte nun aber eine neue Kostenschätzung des Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Schröder, der inzwischen von acht Milliarden Euro ausgeht.

Kotenev hoffe, dass die geplante Sondersitzung der EU-Kommission zu der Pipeline am 6. März eine Klärung bringen werde. Die Verlegung der Pipeline über Land als Alternative zu der Route durch die Ostsee lehnte der Botschafter ab. Unter Wasser sei der für die Durchleitung notwendige Gasdruck leichter zu erreichen.