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Russische Kältwelle gefährdet deutsche Versorgung nicht

Angesichts der Kältewelle in Russland mit Minustemperaturen von bis zu 55 Grad müssen sich deutsche Verbraucher keine Sorgen um ihre Wärmeversorgung machen. Auch wenn Russland der größte deutsche Lieferant von Gas ist, mit etwa jeder zweite Haushalt geheizt wird, sehen sich die Versorgunger gut gerüstet.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Essen (ddp.djn/sm) - Selbst wenn die Verbraucher am Wochenende mit Temperaturen von bis zu minus 15 Grad etwas von der russischen Kälte zu spüren bekommen, werden die Heizungen warm bleiben.

"Die Kunden werden auch weiter in vollem Umfang versorgt werden", sagte der Sprecher des Bundesverbandes der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW), Marian Rappl, am Freitag. Schließlich verfügten die deutschen Versorger über 43 Speicher mit einem Gasvorrat, der rund 200 Milliarden Kilowattstunden entspricht. Den Jahresbedarf in Deutschland bezifferte Rappl auf etwa 1100 Milliarden Kilowattstunden.

Zwar wird nach BGW-Angaben fast jede zweite Wohnung in Deutschland (47 Prozent) mit Gas beheizt. Rund 32 Prozent der Haushalte werden mit Öl gewärmt, während die verbleibenden 21 Prozent auf Strom, Kohle, Holzpellets und andere Energieträger entfallen. Allerdings werden lediglich 35 Prozent des Gasbedarfs aus Russland geliefert. 24 Prozent stammen aus Norwegen, 19 Prozent aus den Niederlanden, 16 Prozent aus dem Inland und 6 Prozent aus Großbritannien und Dänemark.

Auch Deutschlands größter Erdgasimporteur E.ON Ruhrgas sieht die Situation gelassen. Natürlich stelle man gerade jetzt einen erhöhten Bedarf fest. "Unserer Kunden werden allerdings im vollen Umfang weiterbeliefert", sagte Unternehmenssprecher Helmut Roloff. Der Konzern, der den halben deutschen Markt mit Gas versorgt, bezieht nach eigenen Angaben rund 31 Prozent seines Gases aus Russland.

Zwar ist der russische Energiekonzern Gasprom bereits am Donnerstag Befürchtungen entgegengetreten, die Gaslieferungen nach Westeuropa seien nicht mehr sicher. Der Vizechef des Unternehmens und Leiter des Exportgeschäfts, Alexander Medwedew, hatte auf einer Energiekonferenz in Berlin betont, Gasprom tue alles dafür, die Versorgungssicherheit aufrecht zu halten. Allerdings sei die Gefahr von Versorgungsengpässen ein durchaus realistische Szenario, wie Roloff erläuterte.

Beim größten kommunalen Gasversorger, der Berliner Gasag, befürchtet man allerdings keine Engpässe. "Es gibt ausreichend Reserven", sagte Gasag-Sprecher Klaus Haschker. Der Vorrat in den Speichern der Hauptstadt belaufe sich auf 40 Prozent des Jahresbedarfs. "Das reicht für mehrere Monate", fügte Haschker hinzu. Das Unternehmen, dass in Berlin jeden zweiten Haushalt mit Gas versorgt, zählt in Berlin 650 000 Kunden und in Brandenburg über die Tochter Erdgas Mark Brandenburg 115 000 Kunden.

Von Ralf Beunink