Weitere Schäden

Rufe nach endgültigem Aus für AKW Krümmel werden lauter

Trotz der von Vattenfall angekündigten Prüf-Offensive häufen sich die Forderungen nach einem endgültigen Aus für das Atomkraftwerk Krümmel. SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier sprach sich für die Stilllegung des Reaktors aus. Vattenfall kündigte an, wegen eines möglichen Brennstäbedefekts müssten mehr als 67.000 Brennstäbe untersucht werden.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - Krümmel endgültig abzuschalten sei "ein Gebot der Vernunft", sagte Steinmeier vor Journalisten in Berlin. Die jüngsten Störfälle hätten das Vertrauen in die Atomkraft weiter erschüttert. Er könne nicht nachvollziehen, warum die Union wieder für die Atomkraft werbe. Die SPD stehe zum vereinbarten Atomausstieg.

SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber fordert gar den kompletten Rückzug von Vattenfall als Betreiber deutscher Atomkraftwerke. "Das Unternehmen ist ganz offensichtlich nicht dazu in der Lage, diese Technologie zu beherrschen", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Auch der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) bezeichnete das Vertrauen in eine sichere Versorgung mit Atomenergie als stark erschüttert. "Gelingt es Vattenfall nicht, dieses Vertrauen wieder herzustellen, bin auch ich der Überzeugung, dass das Kraftwerk endgültig vom Netz gehen muss", sagte er der "Hamburger Morgenpost".

Kritik an Umweltminister Gabriel in Atomdebatte

Andere Unionspolitiker warfen Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) vor, die Sorgen der Bürger zu instrumentalisieren. "Der Umweltminister schürt Ängste und macht die Öffentlichkeit verrückt, nur weil es Probleme mit einem Trafo im konventionellen Teil des Kraftwerks gegeben hat", sagte CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer.

Weitere Schäden in Krümmel müssen behoben werden

Im Krümmel muss nach dem Transformator-Schaden, der am Samstag zur erneuten Abschaltung des Reaktors führte, noch ein weiteres Problem behoben werden. Wegen eines möglichen Brennstäbedefekts sollen ab Freitag 67.000 Brennstäbe untersucht werden, wie der Betreiber Vattenfall in Berlin mitteilte. Dies sei aber "nicht ungewöhnlich", da nach Herstellerangaben mit zwei bis drei defekten Brennstäben pro Jahr gerechnet werden müsse.

Vattenfall sieht kein Grund für endgültiges Abschalten

Trotz der jüngsten Pannen hält Vattenfall am Betrieb des Reaktors fest, der zu den ältesten in Deutschland gehört. "Wir sehen keinen Grund für eine Abschaltung von Krümmel", sagte Europachef Tuomo Hatakka. Zugleich sagte er umfassende Aufklärung der Vorfälle zu und räumte ein, dass Vattenfall erneut das Vertrauen der Bürger verloren habe. Er bedauerte zudem, "Sorge und Unsicherheit bei den Menschen ausgelöst zu haben". Das Unternehmen hat für Samstag eine Aufklärungsveranstaltung mit den Anwohnern geplant.