Jahrestagung

Rückblick auf "Stadtwerke 2003": Hoffnung, Furcht und Leid für Stadtwerke

Derzeit diskutieren etwa 350 Stadtwerke-Mitarbeiter auf der Euroforum-Jahreskonferenz in Berlin über ihre Stellung innerhalb der Energiewirtschaft. Gerade in Bezug auf die geplante Regulierung und die Einführung des so genannten "Unbundlings" geht es um die strategischen Handlungsoptionen der regionalen Energieversorger.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Über 30 Referenten aus Stadtwerken und Energieunternehmen diskutieren seit gestern auf der Euroforum-Jahrestagung zum Thema "Stadtwerke 2003" mit knapp 350 Teilnehmern strategische Handlungsoptionen der Stadtwerke.

Dr. Christoph Helle, Generalbevollmächtigter der MVV Energie AG, schilderte beispielsweise die Sicht eines regionalen Verteilungsunternehmens zum Thema Wettbewerbsaufsicht: Eine schlanke Wettbewerbsaufsicht mit einem Mandat für eine begrenzte Zeit, eine Wettbewerbsbehörde, die zwar den Rahmen für eine Regulierung gibt, die Ausgestaltung der Details aber den Verbänden überlässt. Weiterhin fordert Dr. Helle von einer Wettbewerbsbehörde, nicht nur Netzentgeltregeln, sondern auch andere konstitutive Wettbewerbselemente zu berücksichtigen.

Bernd Wilmert, kaufmännischer Geschäftsführer, Stadtwerke Bochum, betonte in seinem Referat, dass es bei der Diskussion um die neuen Vorschriften zu sehr um die Erfüllung derselben ginge, obwohl der Kunde mit seinen Bedürfnissen im Vordergrund stehen sollte. Bei der Trennung von Netz und Vertrieb, den die verschärften Unbundling-Vorschriften grundsätzlich ab 1. Juli 2004 vorsehen, bekämen die Kunden dann beispielsweise zwei Rechnungen, was nach Wilmerts Ansicht wenig sinnvoll wäre. Dass Unbundling komme, stehe außer Frage, es komme nun darauf an, die Chancen zu nutzen und die Risiken zu erkennen. Wilmert befürwortete eine offensive Strategie mit dem Fokus auf Kunden und Prozesse: "Der Kunde darf nicht unter dem Unbundling leiden".

In der Diskussionsrunde der Stadtwerke-Jahrestagung zum Thema "Gemeindeordnung: Ist die Chancengleichheit kommunaler Unternehmen im Wettbewerb gewahrt?" wurden zwischen den Teilnehmern, dem Oberbürgermeister von Düsseldorf, Joachim Erwin, Bernd Wilmert und Dr. Christoph Helle zwei Fronten deutlich: Während Erwin die Gemeindeordnung als Schutzraum für die kommunalen Unternehmen ansah und meinte, der Staat solle keine Geschäfte machen, sondern das Wohl der Kunden im Auge behalten, sahen Wilmert und Helle die Gemeindeordnung eher als wettbewerbshemmend an. Wilmert sah zudem keine Veranlassung dafür, dass Stadtwerke nicht im Wettbewerb stehen dürfen, schließlich sei dies im EG-Recht ja ausdrücklich vermerkt.

Dr. Helmut Edelmann (Director Utilities, Ernst & Young) präsentierte die Ergebnisse einer Expertenbefragung bei Entscheidern von Stadtwerken und regionalen Energieversorgern. Als die fünf Top-Strategien wurden Kundenbindung, Kooperationen/Beteiligungen, Einführung neuer Produkte und Tarife, Vermarktung der Unternehmen als Qualitätsprodukt und Reduktion der Kosten genannt. Bei den Kooperationen würden horizontale (Zusammenschluss von Partnern auf gleicher Wirtschaftsstufe) bevorzugt; hiervon verspreche man sich Austausch von Know how, Nutzung von Synergie-Effekten und Vergrößerung der Marktmacht.