Interview

Rückbau in Stade geht voran

Im Ende 2003 endgültig stillgelegten Kernkraftwerk (KKW) Stade nähern sich die Rückbauarbeiten dem "eigentlichen Herzstück der Anlage". Das radioaktive Reaktordruckgefäß und seine Einbauten sollen bis Ende 2010 zerlegt sein, wie der Technische Leiter des KKW, Dieter Fömpe, im ddp-Interview sagte.

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Stade (ddp-nrd/sm) - Für diesen Rückbauabschnitt, der planmäßig Mitte 2008 beginnen soll, laufe derzeit das entsprechende Vergabeverfahren. Mit Erteilung der Rückbaugenehmigung werde der Kraftwerkskomplex seit September 2005 demontiert, sagte Fömpe. Zuvor seien während einer zweijährigen Nachbetriebsphase die Brennelemente zur Wiederaufbereitung abtransportiert worden. Außerdem seien Anlagensysteme wie der Reaktorkühlkreislauf von anhaftenden radioaktiven Rückständen gereinigt worden. Dadurch habe man die Dosisleistung um das 70-fache reduzieren können. Der deutlich abgesenkte Strahlungspegel erleichtere die Rückbauarbeiten wesentlich, betonte Fömpe.

Derzeit konzentrierten sich die Arbeiten auf den so genannten Kontrollbereich, in dem Radioaktivität offen gehandhabt wurde. Dort seien mittlerweile 1000 Tonnen und damit etwa zehn Prozent der Ausrüstungsmasse wie Rohrleitungen oder Elektromotoren demontiert worden. Davon seien inzwischen etwa 300 Tonnen als Stahlschrott der Wiederverwertung zugeführt worden.

Im kerntechnikfreien konventionellen Bereich des KKW gehe es noch einmal um knapp 15.000 Tonnen an Anlagentechnik, von denen bereits 6.500 Tonnen demontiert seien, sagte Fömpe. Hinzu kämen noch die Gebäudestrukturen. Alles werde abgerissen. Die gesamte Masse bezifferte Fömpe auf 330.000 Tonnen. Der Standort werde "vollständig bis zur grünen Wiese bereinigt".

2,3 Prozent der Gesamtmasse seien radioaktiver Abfall. Dieser werde zerkleinert und in Abschirmbehälter verpackt. Die Behälter würden voraussichtlich bis 2020 auf dem KKW-Gelände zwischengelagert und müssten später in ein Endlager. Die Planung sehe vor, 2014 aus dem Geltungsbereich des Atomgesetzes entlassen zu werden.

Von den einst rund 300 KKW-Beschäftigten sind derzeit noch rund 160 Mitarbeiter am Standort beschäftigt. Unterstützt würden sie durch 240 Angehörige fremder Firmen, sagte Fömpe. Er verwies darauf, dass alle KKW-Mitarbeiter nach der Stilllegung eine Beschäftigungsgarantie erhalten hatten. Ein Teil der ehemaligen KKW-Mitarbeiter arbeite inzwischen an anderen Standorten oder befinde sich im Ruhestand. In Stade gebe es Überlegungen, am Standort des Kernkraftwerks ein konventionelles Kohlekraftwerk zu bauen.