Poker und Personalentscheidung

Roels gegen kommunale Aktionäre: Streit um RWE Gas geht weiter

Gestern haben sich die 46 kommunalen Aktionäre von RWE Gas getroffen, um den Kurs für weitere Verhandlungen mit RWE zu bestimmen. Sie wollen eine Zusammenlegung der Strom- und Gasvertriebsgesellschaften verhindern, das Entschädigungsangebot von RWE reichte ihnen bisher nicht. Die Preisvorstellungen liegen zu weit auseinander.

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Die Zeit drängt: Zum 1. Oktober will der größte deutsche Stromkonzern RWE die neue Konzernstruktur umsetzen, der Streit mit den kommunalen Aktionären von RWE Gas konnte jedoch bisher nicht beigelegt werden. Im Gegenteil: Wie gestern bekannt wurde, kostet der Poker um die Zusammenlegung von RWE Gas, RWE Net und RWE Plus zu RWE Energy jetzt den ersten Job. Presseberichten zufolge wird Manfred Scholle, bisher Chef von RWE Gas und designierter Leiter einer der neuen regionalen Vertriebsgesellschaften, das Unternehmen bis Ende des Jahres verlassen.

Scholle soll die 46 kommunalen Minderheitsaktionäre, die bei RWE Gas über eine Sperrminorität verfügen, in ihren Forderungen unterstützt haben, weshalb der RWE-Konzern laut Financial Times Deutschland (FTD) "keine Basis mehr für eine funktionierende Zusammenarbeit" sieht. Die Kommunen wollen RWE Gas unbedingt erhalten, die von RWE gebotene Entschädigung - Abfindung oder Umtausch der Aktien in Anleihen der neuen Vetriebsgesellschaft Nord - wurde bisher mehrheitlich abgelehnt, da die Preisvorstellungen zu weit auseinander liegen. Wie die FTD schreibt, beziffern die Kommunalvertreter den Wert ihrer Anteile auf minimal zwei Milliarden Euro, während RWE von 668 Millionen Euro spricht. Hinzu kommt ein Konsortialvertrag bis 2027 mit einer garantierten Dividende von 40 Millionen Euro jährlich. Vorwürfe, den Kommunen gehe es dabei nur um eine möglichst hohe Abfindung, weisen die Städtevertreter zurück: "Wir sind jetzt an einem wachsenden internationalen Unternehmen mit allen Wertschöpfungsstufen beteiligt. Das sollen wir gegen eine statische, reine Vertriebsgesellschaft tauschen", begründete ein Vertreter in der FTD.

Da Vorstandspersonalien im Aufsichtsrat von RWE Gas nur mehrheitlich beschlossen werden können, der RWE-Konzern über sechs, die kommunalen Vertreter aber über acht Sitze in diesem Kontrollgremium verfügen, ist das Schicksal von Manfred Scholle wohl noch nicht besiegelt. Fest steht aber, dass RWE-Chef Harry Roels seine neue Struktur zunächst nur unvollständig umsetzen kann. RWE Gas soll dann zu einem späteren Zeitpunkt eingegliedert werden. Das wird jedoch teurer werden, als geplant.

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