dena-Netzstudie

Roadmap für den Umbau des Stromnetzes vorgelegt

Der endgültige Durchbruch der erneuerbaren Energien in Deutschland ist einer neuen umfassenden Studie zufolge nur mit dem Bau tausender Kilometer neuer Stromleitungen möglich. Das Gelingen des Netzausbaus hängt jedoch eng mit dem Widerstand in der Bevölkerung zusammen.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - Um bis zum Jahr 2025 einen Ökostrom-Anteil von knapp 40 Prozent bewältigen zu können, müssen mindestens 3500 Kilometer neue Leitungen gebaut werden, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Studie der Deutschen Energie-Agentur (Dena) hervorgeht. Ein solcher Ausbau würde den Angaben zufolge knapp zehn Milliarden Euro kosten.

Da es in vielen Regionen massiven Widerstand der Bevölkerung gegen neue Leitungen gibt, untersuchte die Dena auch andere Varianten, bei denen weniger neue Masten und Leitungen in die Landschaft gestellt werden müssen. Durch eine technisch andere Vorgehensweise müssten demnach nur 1700 Kilometer Netz neu gebaut werden, 5700 Kilometer könnten umgerüstet werden. Diese Variante ist demnach allerdings mit rund 17 Milliarden Euro deutlich teurer.

Auch die Verlegung der Kabel unter die Erde ist der Studie zufolge mit deutlich höheren Kosten verbunden. Die Variante kostet demnach zwischen 22 Milliarden und 29 Milliarden Euro - und damit doppelt bis dreimal so viel wie die Standardvariante. Der nötige Netzausbau werde in diesem Szenario nur gering auf 3400 Kilometer reduziert.

Wie die Dena weiter mitteilte, ist das Gelingen des Netzausbaus wegen des Widerstands in der Bevölkerung sehr fraglich. Bei der ersten großen Netzstudie im Jahr 2005 hatte die Dena festgestellt, dass bis 2015 rund 850 Kilometer neue Netze gebaut werden müssen. Davon sind den Angaben zufolge bisher lediglich 90 Kilometer realisiert worden.

Die neuen Leitungen sind nötig, weil Strom aus erneuerbaren Energien nicht wie bei heute üblichen Kraftwerken immer in relativer Nähe zu den Verbrauchern produziert werden kann. So muss der Strom aus Windparks etwa in Nord- und Ostsee nach Süden transportiert werden. Umgekehrt muss Solarstrom, der oft auf den Hausdächern im Süden der Republik erzeugt wird, nach Norden gelangen.

Die Studie wurde von einem großen Kreis von Beteiligten in Auftrag gegeben. Dazu gehören Bundeswirtschafts- und Bundesumweltministerium, die Verbände der Windbranche, Netzbetreiber, Energieverbände und Industrieunternehmen. Die Dena befindet sich mehrheitlich in staatlichem Besitz. In ihrer Politikberatung zielt sie nach eigenen Angaben darauf, Strategien aufzuzeigen, um Energie künftig so effizient, kostengünstig und nachhaltig wie möglich zu erzeugen.

Nach der heutigen Vorstellung der Dena-Studie zum Ausbau der Stromnetze in Deutschland hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erneut vor einer Stimmungsmache gegen jene Bürgerinitiativen gewarnt, die überhöhte Netzausbaupläne infrage stellen. Die von der Deutschen Energieagentur Dena aufgestellten Szenarien über den angeblichen Bedarf von bis zu 3600 Kilometern neuer "Stromautobahnen" beruhten auf fragwürdigen Annahmen und unklaren Szenarien, so die Kritik des Verbands.