Potenzial der Wasserkraft

RLP: CDU fordert mehr Energiegewinnung an Flüssen

Die Potenziale der Wasserkraft in Rheinland-Pfalz zur Energiegewinnung sollen künftig besser genutzt werden. Nach Angaben von Experten schlummert in rheinland-pfälzischen Flüssen ein ungenutztes Energiepotenzial von rund 300 bis 400 Millionen Kilowatt.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Mainz (ddp-rps/sm) - Laut einer Studie im Auftrag des Landes könnten durch die Erweiterung oder Reaktivierung von 38 Anlagen landesweit gestern auf ddp-Anfrage. 3500 Kilowattstunden Energie verbraucht ein Einfamilienhaus mit vier Personen im Schnitt pro Jahr. Ein Wasserkraftwerk mit einer Leistung von 10 Kilowatt könnte bei durchgehender Turbinenlaufleistung im Monat 7200 Kilowattstunden erreichen und somit zwei Einfamilienhäuser mit Strom versorgen. In Rheinland-Pfalz gibt es derzeit nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke in Rheinland-Pfalz und dem Saarland rund 300 Wasserkraftwerke. Darunter sind 14 größere Anlagen mit einer Leistung von mehr als 20 000 Kilowatt, etwa 200 Anlagen weisen zwischen 10 und 5000 Kilowatt auf.

Allein bei den bestehenden Anlagen sei eine Mehrleistung von zwischen 20 und 30 Prozent möglich, betonte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Richard Keil. Landesweit gebe es noch rund 1200 Wasserrechte, von denen lediglich 300 genutzt würden. Die Wasserkraft sei aber «die größte regenerative Energie in Deutschland», die zudem eine sichere Grundenergie liefere. «Wir können es uns nicht leisten, diese Potenziale nicht zu nutzen», betonte Keil während einer Anhörung der CDU-Landtagsfraktion zu dem Thema.

Sein Verband fordert deshalb, bestehende Kraftwerke auszubauen, brach liegende Standorte zu reaktivieren und auch neue Werke zu bauen. Dazu habe er dem Mainzer Umweltministerium eine Liste von zehn Projekten vorgelegt, darunter etwa der Ausbau eines bestehenden Kraftwerks an der Nahe bei Bad Kreuznach. Keil zufolge kostet ein Neubau eines Kraftwerks pro Kilowatt an Leistung rund 10 000 Euro, eine Reaktivierung die Hälfte. Auch der CDU-Umweltexperte Thomas Gebhart sprach sich für einen Ausbau der Kraftwerke aus. Es gelte, diese «sinnvollen Potenziale» zu nutzen und zugleich auf die Ökologie zu achten.

Der Experte für Flussgebietsmanagement vom Landesamt für Umwelt und Wasserwirtschaft, Bernd Schneider, warnte unterdessen vor negativen Folgen. Kraftwerksturbinen seien oft für Fische schädlich, bei Wehreinbauten könnten Fische und andere Lebewesen nicht mehr ungehindert wandern. "Nicht umsonst stirbt bei uns der Aal in den Flüssen aus", sagte Schneider. Sinnvoll sei ein Ausbau zudem nur bei den großen Kraftwerken. Die kleinen brächten «energetisch wenig, richten aber viel Schaden an», sagte er.

Das Umweltministerium bestätigte, es gebe eine Studie im Auftrag des Landes, bei der die Potenziale bestehender Wasserkraftstandorte untersucht wurden. Die bislang unveröffentlichte Studie zeige, dass durch Erweiterung von 23 Anlagen und die Reaktivierung von 15 weiteren rund 6100 Kilowatt mehr erzeugt werden könne. Durch die technische Optimierung kleinerer Anlagen könnten weitere 800 Kilowatt zusätzlich erzeugt werden. Dieser Ausbau sei für die Fische und die Flüsse verträglich, betonte die Sprecherin.