Geburtstag

Rheinischer Schaufelradriese wird 30

Er wiegt mit 13 500 Tonnen so viel wie 16 000 Kleinwagen, ist 75 Meter hoch und 200 Meter lang: Nummer 285, so der schlichte Name des stählernen Monstrums, markiert einen Meilenstein in der Braunkohleförderung: Vor 30 Jahren, am 21. April 1976, ging er als bis dahin größter Schaufelradbagger der Welt in Betrieb.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp-nrw/sm) - Mit einer Förderleistung von über 200 000 Tonnen Kohle und Abraum pro Tag hat Nummer 285 die Leistung der vorangegangenen Modelle auf einen Schlag mehr als verdoppelt und dem Braunkohle-Tagebau damit mengentechnisch eine neue Dimension erschlossen. Mit seinem gigantischen Schaufelrad, das allein schon so groß wie ein siebenstöckiges Wohnhaus ist, kann der Bagger umgerechnet täglich 2400 Kohlewaggons oder 16 000 Kieslaster füllen. Mehr als 40 000 Menschen wären nötig, die gleiche Leistung von Hand zu erbringen. Für die Steuerung des Baggers braucht es dagegen nur fünf Mann.

Längst hat Nummer 285, der auch nach 30 Jahren nun an anderer Stelle seinen Dienst tut, Gesellschaft bekommen: Derzeit sind beim Stromerzeuger RWE Power, in dem der frühere Braunkohleförderer Rheinbraun aufgegangen ist, 20 solcher Großbagger im Einsatz. Seinen Rang als weltgrößter Schaufelradbagger hat Nummer 285 dabei aufgeben müssen. Viele der hinzu gekommenen Bagger-Riesen sind bis zu 100 Meter hoch und können bis zu 240 000 Tonnen pro Tag fördern - womit sie umgerechnet einen Fußballplatz 30 Meter tief ausheben könnten.

Die Riesen fördern Braunkohle in den drei rheinischen Tagebauen Garzweiler, Hambach und Inden zwischen Köln, Aachen und Mönchengladbach. Und vieles spricht dafür, dass sie auch in den nächsten Jahren viel zu tun haben werden. Braunkohle ist noch vor der Steinkohle der wichtigste heimische Energieträger. Und weil Braunkohle nahezu unmittelbar unter der Erde liegt, ist sie vergleichsweise problemlos zu fördern und kommt im Gegensatz zur Steinkohleförderung im Ruhrgebiet ohne Subventionen aus.

Vor diesem Hintergrund scheint der Braunkohle im Energiemix der Zukunft ein fester Platz sicher. Mit Milliardeninvestitionen will RWE seine rheinischen Braunkohle-Kraftwerke in den nächsten Jahren modernisieren und auf den neuesten Stand der Umwelttechnik bringen. Im Jahr 2014 soll das erste kohlendioxid-freie Braunkohlekraftwerk ans Netz gehen. Das Treibhausgas soll noch vor der Verbrennung chemisch gebunden werden, damit es nicht in die Atmosphäre gelangt.

Derzeit basiert rund ein Viertel der bundesweiten Stromerzeugung auf Braunkohle. Die größten Braunkohlemengen werden dabei mit knapp 100 Millionen Tonnen pro Jahr im Rheinland gefördert, gefolgt von der Lausitz (60 Millionen Tonnen) und dem mitteldeutschen Revier zwischen Leipzig und Halle (20 Millionen Tonnen). RWE schätzt die bundesweiten Braunkohlevorräte auf noch 77 Milliarden Tonnen - davon 55 Milliarden Tonnen im Rheinland. Von dieser Menge gelten etwa 41 (Rheinland: 35) Milliarden Tonnen nach dem heutigen Stand der Tagebautechnik und der Energiepreise als gewinnbar. Ein großer Teil davon müsste aber neu erschlossen werden, denn in den betriebenen Tagebauen ist mit 6,5 (Rheinland: 4) Milliarden Tonnen der geringste Teil verfügbar. Für Nummer 285 und die anderen Großbagger ist das aber immer noch genug Material, um bis Mitte des Jahrhunderts ausgelastet zu sein.

Von ddp-Korrespondent Frank Bretschneider