Brennstoffdiskussion

Renaissance der Steinkohle?!

Pünktlich zur Jahresveranstaltung des Gesamtverbandes des Deutschen Steinkohlebergbaus gestern in Essen berichtet die "Financial Times Deutschland" heute von einer Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting, die der Steinkohle beim erwarteten Neubau von Kraftwerken eine Renaissance vorhersagt.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp/sm) - Die Steinkohle steht in Deutschland möglicherweise vor einer Renaissance. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting werden die deutschen Stromkonzerne bei der anstehenden Erneuerung ihrer Kraftwerke voraussichtlich statt auf relativ umweltfreundliche Gas- verstärkt auf neue Kohlekraftwerke setzen, berichtet die "Financial Times Deutschland" (Donnerstagausgabe). Grund sei der erwartete Anstieg der Gaspreise und ein prognostizierter Rückgang des Weltmarktpreises für Kohle.

Bei den aktuellen Brennstoffkosten seien Gaskraftwerke zwar günstiger als Steinkohleanlagen. "Die Gaskosten werden jedoch in den nächsten Jahren um 20 bis 30 Prozent steigen", heißt es in der Studie. Denn zwischen 2010 und 2015 seien die Vorkommen in Großbritannien und auf dem europäischen Kontinent erschöpft.

Steinbrück für Erhalt des Steinkohlebergbaus

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Peer Steinbrück sieht indes die wirtschaftliche Bedeutung der heimischen Steinkohle deutlich gestiegen. Angesichts weiterer abzusehender Verteuerungen müsse die Abhängigkeit von den internationalen Energie- und Rohstoffmärkten auch langfristig so weit wie möglich abgefedert werden, forderte Steinbrück auf der Jahresveranstaltung des Gesamtverbandes des Deutschen Steinkohlebergbaus (GVSt) gestern in Essen. Er sprach sich klar für einen Erhalt des Steinkohlebergbaus in NRW auch über das Jahr 2012 hinaus aus und befürwortete die Überlegungen des Essener Kohlekonzerns RAG, angesichts der explodierenden Preise für Kokskohle die Kokereikapazität in NRW wieder auszubauen.

Der Präsident des GVSt, RAG-Vorstandsvorsitzender Werner Müller, forderte denn auf dem Jahrestreffen auch eine Rohstoffstrategie für Deutschland. Die Bundesrepublik werde nur dann Industriestandort bleiben, wenn die stabile Versorgung der Volkswirtschaft mit Rohstoffen sicher sei, betonte er.

"Steinkohle könnte Gas bei den neuen Kraftwerken den Rang ablaufen", bilanziert Mathias Krahl, Vizepräsident von Boston Consulting und einer der Autoren der Studie, von der die "Financial Times Deutschland" heute berichtet, die aktuelle Entwicklung. Besonders wichtig sei dies vor dem Hintergrund, dass die deutschen Stromkonzerne in den nächsten zwei Jahrzehnten veraltete Kraftwerke mit einer Kapazität von 40 000 Megawatt ersetzen müssen. Das entspricht etwa 36 Prozent der Gesamtkapazität in Deutschland, wie die Zeitung schreibt. Gründe dafür seien der Ausstieg aus der Atomenergie sowie geringe Investitionen in den 90er Jahren.