Missbrauch

Rekordgewinne der Versorger: "Kein redlich verdientes Geld"

Die von den deutschen Versorgern in diesen Tagen veröffentlichten Halbsjahreszahlen sorgen für Unmut unter den Verbraucherschützern. Während sich E.ON, EnBW und Co. über Rekordgewinne freuen, bezeichnete Aribert Peters von Bund der Energieverbraucher das Geld als "nicht redlich verdient".

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp/sm) - Die deutschen Stromkonzerne verzeichnen auch dank deutlich gestiegener Energiepreise in Deutschland neue Rekordgewinne. Der größte deutsche Energiekonzern E.ON verdiente im ersten Halbjahr nach Angaben vom Mittwoch wegen höherer Strompreise wesentlich mehr als von Experten erwartet.

Die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) legte am gleichen Tag das beste Halbjahresergebnis ihrer Unternehmensgeschichte vor. Auch RWE hat heute höhere Gewinne bekannt gegeben. Bereits Ende Juli hatten die deutschen Gesellschaften der ebenfalls zu den vier großen Versorgern gehörenden schwedischen Vattenfall-Gruppe dank der höheren Strompreise in Deutschland zum bislang besten Halbjahresresultat verholfen.

Verbraucherschützer kritisierten die Energiekonzerne E.ON und EnBW wegen ihrer jüngsten Gewinne scharf. "Das ist kein redlich verdientes Geld", sagte Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher dem "Tagesspiegel" (Donnerstagausgabe). "Die Konzerne haben es den Kunden unter Missbrauch ihrer Monopolstellung abgenommen", fügte er hinzu.

Peters warf den vier großen Stromkonzerne vor, sich die Übertragungsnetze in Deutschland komplett untereinander aufgeteilt zu haben. Außerdem stünden sie für mehr als 80 Prozent der gesamten Stromerzeugung. "Wenn die Konzerne kostengerechte Preise verlangen würden, wie es auf echten Wettbewerbsmärkten üblich ist, dann könnten die Stromtarife um 20 bis 30 Prozent sinken", sagte Peters.

Die Stromkonzerne indes verwiesen auf das aktuell weltweit hohe Energiepreisniveau, das aus ihrer Sicht längerfristig anhalten und den Endkunden Mehrkosten bringen dürfte. "Wir werden weiter mit hohen Energiepreisen leben müssen", sagte E.ON-Chef Wulf Bernotat erst vergangenen Monat. Die Energiepreise seien weltweit gestiegen und müssten daher auch an die Kunden weitergegeben werden.

Bei E.ON sollen die hohen Gewinne, die der Konzern mit der Formulierung "starke Liquiditäts- und Finanzposition" umschreibt, nun vor allem in Pensionsrückstellungen angelegt werden. Rund 5,4 Milliarden Euro sollen bis 2006 in die Altersversorgung der Mitarbeiter fließen.

Von Ralf Beunink