Vor dem Start

Rekordbeteiligung bei Castor-Protest erwartet

Atomkraftgegner und Polizei erwarten eine Rekordbeteiligung bei den Protesten gegen den bevorstehenden Castor-Transport nach Gorleben. Nach Angaben des Einsatzleiters seien die Castor-Schutzmaßnahmen bei den Polizisten extrem unbeliebt. Gleichwohl erwarte man kein Chaos, sondern einen "kreativen, bunten Protest".

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Hannover (dapd/red) - Nach Angaben der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg (BI) sollen am Samstag 260 Busse Castor-Gegner zu einer Protestkundgebung bei Dannenberg bringen. "Wir gehen von 30.000 Teilnehmern aus, wobei die Zahl nach oben offen ist", sagte die BI-Vorsitzende Kerstin Rudek am Mittwoch in Hannover. Ein Sprecher der "Bäuerlichen Notgemeinschaft" kündigte zudem eine vermehrte Beteiligung von Landwirten mit Traktoren an. Man werde die Zahl des jüngsten Transportes im Jahr 2008, bei dem 350 Bauern mit Traktoren protestiert hätten, deutlich übertreffen.

Nach Angaben von Einsatzleiter Friedrich Niehörster wurden bei der Polizei bislang mehr als 60 Demonstrationen, Kundgebungen oder Protest-Camps angemeldet. Man rechne mit allen aus der Vergangenheit bekannten Aktionen zur Verzögerung des Transports, sagte der Präsident der Polizeidirektion Lüneburg. Dazu zählten große Sitzblockaden, Kletteraktionen, das Anketten in technischen Hindernissen auf der Castor-Route und Sabotageaktionen, wie das Unterspülen der Strecke durch sogenannte "Wasserlanzen".

Der Einsatzleiter der Bundespolizei, Thomas Osterroth, sieht angesichts der Debatte um die Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke "mehr Protestpotenzial". Er kündigte ein konsequentes Einschreiten bei Straftaten an und warnte vor gefährlichen Aktionen auf Gleisen. Gelassen regierte er auf das Bekenntnis von mehr 1.700 Atomkraftgegnern und Anti-AKW-Gruppen, die Bahnstrecke von Lüneburg nach Dannenberg durch Entfernen von Schottersteinen unbrauchbar zu machen. Er glaube nicht daran, dass eine große Masse von Demonstranten zum "Schottern" gehen werde, sagte er.

Polizei will auch Wasserwerfer einsetzen

Polizei und Atomkraftgegner hoben ihr Interesse an einem friedlichen Verlauf der Proteste hervor. "Eine Eskalation, wo man das mit Fäusten austrägt, ist weder im Interesse der Bürgerinitiativen noch der Polizei", sagte Einsatzleiter Niehörster. Die Polizei suche das Gespräch mit den Demonstranten. Die Zahl der Straftaten bei Aktionen gegen die Castor-Transporte habe von 1.800 im Jahr 2003 auf 50 beim Transport vor zwei Jahren abgenommen. "Das gibt mir die Hoffnung, dass wir auch 2010 einen kreativen, bunten Protest haben", sagte Niehörster weiter.

Der Anteil der gewaltbereiten Autonomen an den Demonstranten werde unter einem Prozent bleiben, prognostizierte der Einsatzleiter. Zugleich schloss er den Einsatz von Wasserwerfern nicht aus, um Castor-Behälter durch Blockaden zu bringen. "Wir werden Wasserwerfer nicht mit hohem Druck und nicht auf kurze Distanz einsetzen", sagte er. Bislang habe die Polizei aber bei jedem Castor-Transporten nach Gorleben auch Wasserwerfer benutzt. "Das ist dann wie ein Eimer Wasser über den Kopf", sagte er.

Polizei lobt Bürgerinitiative

Der Einsatzleiter verwies auf die Verlässlichkeit der Bürgerinitiative. "Wir haben gelernt, dass die Bürgerinitiative Zugesagtes einhält", sagte er. Es gebe bei den Protesten aber Gruppen mit unterschiedlichen Zielen, bei denen die Polizei unterschiedliche Mittel einsetzen werde. Der Einsatz zum Schutz des Castors sei bei den Beamten sehr unbeliebt. "Es ist eine ätzende Aufgabe", sagte Niehörster.

Der Sprecher der Anti-Atom-Kampagne "ausgestrahlt", Jochen Stay, forderte von der Polizei einen Verzicht auf Wasserwerfereinsätze. "Es darf keinen Wasserwerfereinsatz gegen Sitzblockaden geben", sagte er. Wenn die Polizei den Transport nur mit unverhältnismäßigen Mitteln durchsetzen könne, müsse sie auf ihn verzichten. Die BI-Vorsitzende Rudek sagte, es dürfe keine Verletzten geben. Dazu müsse die Polizei auch auf den Einsatz von Reizgas und Schlagstock verzichten.

Alle elf für das Zwischenlager Gorleben bestimmten Castor-Behälter haben inzwischen die französische Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) La Hague verlassen. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace wurden am Mittwoch die letzten drei der Behälter mit hochradioaktiven Abfällen aus der WAA zum 30 Kilometer entfernten Bahnhof Valognes transportiert. Dort würden die Behälter für den Transport in Richtung Zwischenlager Gorleben von Speziallastwagen auf Eisenbahnwaggons umgesetzt, teilte Greenpeace mit.

Der Atommüllzug mit den elf Behältern soll am Freitagabend in Valognes seine Reise in das rund 1.000 Kilometer entfernte Dannenberg antreten. Dort müssen die Castoren für die letzten 20 Kilometer Straßentransport bis Gorleben wieder auf Speziallastwagen gehoben werden.