Gewinneinbußen

Regulierer will Renditen für Strom- und Gasnetze kürzen

Die Bundesnetzagentur will die Renditen der Betreiber von Gas- und Stromnetzen kürzen. Bundesnetzagenturpräsident Matthias Kurth forderte im "Handelsblatt" bei den Gasnetzen Einschnitte von 15 Prozent. Die Netze verlören damit für die renditeverwöhnten Energiekonzerne an Attraktivität.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp/sm) - Kurth beruft sich auf ein Gutachten, das die deutschen Netzentgelte im europäischen Vergleich als zu hoch befindet. Dem Gutachten zufolge sollen Strom- und Gasnetzbetreibern künftig Renditen von 7,8 Prozent zugebilligt werden. Bislang liegt der Wert für die Stromnetze bei 7,9 Prozent und für Gasnetze bei 9,2 Prozent.

Nach Informationen des Wirtschaftsmagazins Capital will der Regulierer für bereits bestehende Netze einheitlich 6,37 Prozent zugestehen. Bisher sind es 6,5 Prozent für Strom und 7,8 Prozent für Gas. Konzerne wie E.ON haben bereits die alten Sätze als zu niedrig kritisiert. Zuletzt hatte am Montag der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), der die Interessen der zahlreichen deutschen Stadtwerke vertritt, eine deutliche Anhebungen der Verzinsung auf 12,45 Prozent bei Strom und 13,19 Prozent bei Gas verlangt.

Laut Kurth besteht eine zentrale Erkenntnis des Gutachtens darin, dass unterschiedliche Eigenkapitalverzinsungen für Strom- und Gasnetze nicht zu rechtfertigen seien. Das Gutachten, angefertigt von der international agierenden Beratungsgesellschaft Frontier Economics, bildet die Basis des Konsultationsverfahrens für die Ermittlung der künftigen Renditen. Es soll am Mittwoch im Amtsblatt der Bundesnetzagentur veröffentlicht werden, so das Handelsblatt weiter. Die Betreiber können bis zum 13. Juni Stellung nehmen.

Die Netzagentur sieht für die Renditen sogar noch Spielraum nach unten: Eine Rendite von 7,8 Prozent sei ein Mittelwert. "Würde man den durch den Gutachter ermittelten unteren Wert heranziehen, könnte man auch 7,27 Prozent rechtfertigen", sagte Kurth.

Die Eigenkapitalverzinsung ist ein zentrales Element für die Bestimmung der Erlöse, die die Netzbetreiber ab kommendem Jahr für die Mitbenutzung ihrer Leitungen bekommen dürfen. Sie kassieren dafür bislang rund 19 Milliarden Euro pro Jahr von anderen Unternehmen. Bei der Festlegung der Entgelte orientiert sich die Bundesnetzagentur bisher an den Kosten der Netzbetreiber. Mit der so genannten Anreizregulierung ändert sich ab 2009 das System. Die Behörde schreibt den Unternehmen dann Erlös-Obergrenzen vor, die innerhalb der nächsten zehn Jahre schrittweise sinken. Das soll sie zu mehr Effizienz anhalten. Je effizienter ein Anbieter aufgestellt ist, umsomehr kann er an der Durchleitung verdienen.