Regionalversorger: Präsenz mit dem Netz garantiert Versorgungssicherheit

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com
Die deutschen Regionalversorger zogen auf der diesjährigen Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft regionaler Energieversorgungsunternehmen (ARE) Bilanz: Verschiedene Vorträge beleuchteten die Liberalisierung des Energiemarktes. So forderte Günter Marquis (LEW Lech-Elektrizitätswerke AG Augsburg), neu gewählter Vorsitzender der ARE und damit Nachfolger von Udo Cahn von Seelen (EAM Kassel) die Politik auf, die Öffnung der Energiemärkte zu harmonisieren: "Die deutsche und europäische Energiepolitik ist aufgefordert, die Energiemärkte europaweit vergleichbar zu öffnen und Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten deutscher Stromanbieter zu beseitigen. Die Regionalunternehmen haben sich bereits 1992 für diskriminierungsfreien Wettbewerb auf allen Stufen der Versorgungswirtschaft ausgesprochen. Sie begrüßen die zu Jahresbeginn fortentwickelte Verbändevereinbarung als Grundlage des offenen Netzzugangs. Jeder Netznutzer" ,erläuterte Marquis, "kauft von dem Betreiber, an dessen Netz er angeschlossen ist, seinen Netzzugang und kann dann frei entscheiden, von wem er wann und in welchem Umfang elektrische Energie beziehen will. Die Netze als Marktplatz bedeuten massiven Wettbewerb und sinkende Preise zum Vorteil der Wirtschaft und auch der privaten Haushalte. Die Regionalunternehmen appellieren an Bundesregierung und Koalitionsfraktionen, den Strom- und Gaskunden die Vorteile der Marktöffnung nicht über die Hintertür gesetzlich auferlegter Sonderlasten wieder zu entziehen."


Wie Dr.-Ing. Hermann Meier, RWE Energie AG, während der ARE-Jahrestagung 2000 in Kassel erläuterte, liege der Vorteil einer privatwirtschaftlichen Vereinbarung zur Regelung des Netzzugangs in ihrer größeren Flexibilität und schnelleren Anpassungsfähigkeit. Die an den Verhandlungen beteiligten Kunden, Netzbetreiber und Händler seien mit den zu regelnden Problemen besser vertraut als ein staatlicher Verordnungsgeber. Mit der neu verhandelten Verbändevereinbarung II vom Dezember 1999 sei der Strommarkt für Kunden und Akteure wesentlich transparenter geworden. Über Standardlastprofile seien die Preise auch für Kleinkunden inzwischen auf breiter Front gefallen. "Zu wünschen ist", so Dr. Meier, "dass nunmehr auch die übrigen europäischen Staaten ihre Energiemärkte diskriminierungsfrei öffnen.


Der Hessische Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) ging in seinem Vortrag insbesondere auf die Chancen und Perspektiven Hessen in der Energiepolitik des 21. Jahrhunderts ein. Mit einer sicherheits- statt einer ausstiegsorientierten Haltung zur Kernenergie, der Förderung wettbewerblicher Marktstrukturen auf allen Ebenen, weiterer Deregulierung und der Beschränkung von Mitteln auf besonders förderungswürdige Schwerpunkte habe in Hessen eine positive Neuorientierung in der Energiepolitik stattgefunden, so der Hessische Umweltminister. Bezogen auf den Umweltschutz und rationelle Energienutzung sagte er: "Umweltschutz braucht staatliche Rahmenvorgaben, aber er ist auch nicht umsonst zu haben. Daher müssen wir Modelle entwickeln, die marktgemäße Anreize zu möglichst kostengünstigen Umweltschutzlösungen schaffen." Für den Energiebereich bedeute dies: "Die Stromerzeugung aus regenerativen Energien und Kraft-Wärme-Kopplung muss vorrangig die kostengünstigen Potenziale ausschöpfen." Hessen habe sich zwar im Bundesrat ausdrücklich für die weitere Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien eingesetzt, die Landesregierung habe aber die Auffassung, dass die Förderung den neuen energiewirtschaftlichen, technologischen und rechtlichen Veränderungen im liberalisierten Energiemarkt angepasst werden müsse.


Zum Thema "Der EURO - Bestandsaufnahme und Ausblick" gab Helmut Schieber, Mitglied des Direktoriums der Deutschen Bundesbank, Hintergrundinformationen zur derzeitigen Euro-Schwäche. Kernpunkt der "schlechten Stimmung" sei die schwache Bewertung des Euro gegenüber zahlreichen wichtigen Währungen. "Viele Analysten sind hilflos, da die Euro-Schwäche weiterzugehen scheint, obwohl sich der Wachstums- und Zinsabstand zu den USA verringert hat und wohl weiter verringern dürfte", so Schieber. Spräche man mit ausländischen Großinvestoren, deren Handeln erheblichen Einfluss auf die Euro-Bewertung hat, so stellten sich Fragen zum Verständnis des Konzepts und zur Transparenz der Geldpolitik des Eurosystems. Auch gäbe es Bedenken wegen eines erfolgreichen Zusammenspiels einer supranationalen Geldpolitik und weiterhin nationaler Wirtschafts-, Finanz- und Lohnpolitiken.