Netznutzung nicht bezahlt

Regionalversorger drohen DSA mit Kündigung der Verträge

Der Hamburger Stromversorger DSA weigert sich, unübersichtliche und nicht nachvollziehbare Rechnungen für die Netznutzung zu bezahlen. Verschiedene Regionalversorger haben deshalb die Kunden angeschrieben und eine Auflösung des Vertragsverhältnisses angekündigt.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com
Als Herr L. aus Gevelsberg kürzlich seine Post durchsah, fand er einen Brief vom örtlichen Stromversorger. Da Herr L. seit einigen Monaten seinen Strom von einem Hamburger Anbieter bezieht, zeigte er sich doch etwas verwundert, als er darin eine Rechnung für die Nutzung des Netzes fand. Der neue Anbieter hätte die Gebühren nicht bezahlt, weshalb der Vertrag mit ihm zum 31. Mai gekündigt würde, hieß es in dem Schreiben.


Herr L. ist Kunde bei der DSA Deutsche Strom AG. Der Hamburger Anbieter hat jetzt die Faxen dicke und will gegen die überhöhten und zumeist nicht nachvollziehbaren Rechnungen für die Netznutzung vorgehen. "In einem Schreiben an alle deutschen Regionalversorger haben wir angekündigt, alle unübersichtlichen und für uns nicht überprüfbaren Rechnungen für die Netznutzung nicht mehr zu bezahlen", erklärte Klaus Aundrup, DSA-Vertriebsdirektor, gegenüber dem strom magazin. Mittlerweile geht sein Unternehmen mit drei Anwälten dagegen vor, dass die Netzbetreiber Rechnungen stellen, die für die DSA nicht überprüfbar sind. "In der Vergangenheit haben wir festgestellt, dass 80 Prozent dieser Rechnungen falsch sind. Jetzt sind wir nicht mehr bereit, die Mehrkosten zu tragen", so Aundrup weiter. Viele Versorger würden die einzelnen Posten, etwa Netznutzung und Konzessionsabgabe nicht aufschlüsseln, oftmals fehle sogar die Kunden- und Händlernummer.


Den verunsicherten Kunden rät Aundrup, die Rechnungen nicht zu bezahlen: "Wir sind der Ansprechpartner für die Regionalversorger - die Kunden haben mit der Begleichung der Netznutzungsentgelte nichts zu tun." Er versicherte zudem gegenüber dem strom magazin, dass sein Unternehmen alle Mehrkosten für die Kunden übernehmen wird.


Die Verweigerung der Bezahlung wird allerdings nicht die einzige Maßnahme bleiben. Zusammen mit anderen neuen Stromanbietern will die DSA vermutlich ab Oktober von allen Rechnungen für Netznutzung 30 Prozent abziehen und nur den verbleibenden Betrag begleichen. "Obwohl wir seit mehreren Jahren einen liberalisierten Strommarkt haben, sind die Netznutzungsentgelte so hoch wie zu Beginn des Wettbewerbs. Auch dagegen wollen wir vorgehen", kündigt Aundrup an.