"Grundsätzlicher Konflikt"

Regierungsberater kritisieren längere Laufzeiten

Namhafte Regierungsberater haben Schwarz-Gelb zum Verzicht auf längere Atomkraftwerkslaufzeiten aufgefordert. Das Vorhaben bremse den Ausbau erneuerbarer Energie in Deutschland und gefährde den Übergang in eine zukunftsfähige Stromversorgung, erklärte der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) am Mittwoch.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - Der Sachverständigenrat stellte in Berlin seinen Kommentar zum aktuellen Energiekonzept der Bundesregierung vor. "Längere Laufzeiten sind keine Brücke, sondern ein Investitionshindernis für die erneuerbaren Energien", erklärte der SRU-Vorsitzende, Martin Faulstich.

Es bestehe ein grundsätzlicher Konflikt zwischen der Funktionsweise von konventionellen Kraftwerken und den erneuerbaren Energieträgern mit ihrer schwankenden Stromeinspeisung. Der Ausbau erneuerbarer Energie senke dabei die Wirtschaftlichkeit herkömmlicher, auf Dauerbetrieb ausgelegter Kraftwerke und erhöhe so die Gefahr, dass die finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die Erzeugung von Strom aus alternativen Quellen verschlechtert würden.

Der SRU forderte die Regierung auf, "unmissverständlich" klarzustellen, dass sie gerade im Fall der geplanten Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke an den im sogenannten Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgeschriebenen Vergütungen für Strom aus erneuerbaren Energieträgern festhalten wolle. Das EEG schreibt unter anderem vor, dass dieser bevorzugt in Netze eingespeist wird und garantiert den Anbietern zudem langfristig garantierte finanzielle Einnahmen.

Die Bundesregierung will im Rahmen ihres umstrittenen Energiekonzepts die Laufzeiten für Atomkraftwerke um durchschnittlich zwölf Jahre verlängern. Nach dem unter der rot-grünen Vorgängerregierung vereinbarten Atomausstieg sollten die Reaktoren etwa bis zum Jahr 2022 nach und nach abgeschaltet werden. Zugleich sieht das Konzept einen massiven Ausbau erneuerbarer Energien und eine Erhöhung der Energieeffizienz vor, um die Versorgung in Deutschland bis 2050 umwelt- und klimafreundlicher zu gestalten.

Der SRU besteht aus sieben Experten verschiedener Disziplinen und berät die Bundesregierung seit 1972 in Fragen des Umweltschutzes. Bereits im Mai hatte der Rat eine Studie vorgelegt, wonach er eine ausschließlich auf erneuerbaren Energieträgern basierende Stromversorgung in Deutschland bis 2050 für möglich hält.