Eingeständnis

Regierung räumt Panne bei E10-Einführung ein

Die Kraftstoff-Strategie der Bundesregierung hat nun den Luftverkehr und die Schifffahrt im Visier. Man will die Einsparziele verschärfen und in den nächsten Jahren 25 Prozent beim Sprit einsparen. Außerdem räumte die Regierung inzwischen Pannen bei der E10-Einführung öffentlich ein.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Die Bundesregierung will die Ziele zur Einsparung von Treibhausgasen im Verkehr deutlich verschärfen. Die Autoindustrie ist nach den Worten von Verkehrs-Staatssekretär Rainer Bomba in der Lage, in den nächsten Jahren 25 Prozent beim Spritverbrauch einzusparen. Bomba sagte am Donnerstag in Berlin bei der Auftaktveranstaltung zur Entwicklung einer Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie der Bundesregierung, Verkehr müsse trotz steigender Ölpreise bezahlbar und verfügbar bleiben und gleichzeitig umweltfreundlicher werden.

"Das war wirklich eine Panne"

Dabei spielten Biomasse und innovative Antriebstechnologien eine wesentliche Rolle, sagte Bomba. Dass Biomasse derzeit negativ besetzt sei, was ihre Verwendung als Treibstoff im Verkehr angehe, liege an den "falschen Informationen bei der E10-Einführung". Der Staatssekretär räumte ein, Industrie und Politik hätten bei der Markteinführung des Benzins mit zehn Prozent Bio-Beimischung Fehler gemacht: "Das war wirklich eine Panne."

Ziel der Kraftstoff-Strategie sei, zehn Prozent bis 2020 und 40 Prozent bis 2040 beim Endenergieverbrauch einzusparen, jeweils im Vergleich zu 2005. Der Präsident des Verbandes der Autoindustrie, Matthias Wissmann, hatte bereits am Vortag erklärt, die deutschen Autohersteller seien in der Lage, bis 2020 weitere 25 Prozent beim Verbrauch einzusparen.

"Klare Handlungsempfehlungen"

Der Chef der Deutschen Energie-Agentur, Stephan Kohler, ergänzte, bei der ersten Kraftstoff-Strategie der Bundesregierung 2004 habe man sich im Wesentlichen auf den Straßenverkehr konzentriert. Inzwischen gehe es aber darum, auch den Luftverkehr mit seinen hohen Wachstumsraten im Blick zu behalten. Bomba fügte hinzu, auch bei der Seeschifffahrt "müssen wir sehr intensiv arbeiten". Sie sei Spitzenreiter bei Schwefel-, Stickstoff- und CO2-Emissionen. Insgesamt müsse der Bürger mit in die Strategie einbezogen werden. Auch Kohler kündigte an, die Beteiligten würden klare Handlungsempfehlungen bekommen. Bomba stellte einen Abschlussbericht für 2012 in Aussicht.

Der Technik-Vorstand der Deutschen Bahn AG, Volker Kefer, gab als Ziel für 2050 aus: "Der DB-Schienenverkehr soll komplett CO2-frei sein." Von 1990 bis 2010 habe die Bahn ihren spezifischen CO2-Ausstoß (also in Gramm pro Kilometer) um 40 Prozent gesenkt, und trotz der Verkehrszunahme seien die Emissionen auch in absoluten Zahlen zurückgegangen.

Die Bahn prüft neue Konzepte

Die Bahn setze grundsätzlich weiter auf Elektrifizierung, prüfe aber auch den Einsatz völlig neuer Konzepte. Als Beispiel nannte Kefer einen Batterietender. Elektroloks könnten ihn im Zug mitführen, um auf nicht elektrifizierten Teilstücken die Energie aus den Batterien im Tender zu beziehen. Problematisch dabei sei nicht das Gewicht der Akkumulatoren, sondern die Verfügbarkeit der Rohstoffe. Eine Aussage über die Machbarkeit eines solchen Konzepts sollte in zwei bis drei Jahren möglich sein, sagte Kefer.