"Rechenmodelle"

Regierung bestätigt Modellprüfung für längere AKW-Laufzeiten

Die Bundesregierung hat Medienberichte bestätigt, wonach sie Laufzeitverlängerungen der Atomkraftwerke bis nach dem Jahr 2050 erwägt. Damit könnten im äußersten Fall die deutschen Kernkraftwerke bis zu 60 Jahre am Netz bleiben. Atomkraftgegner reagierten empört.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin/München (ddp/red) - Der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans sagte am Freitag in Berlin, die Regierung wolle Szenarien für verschiedene Laufzeitverlängerungen von 4, 12, 20 und 28 Jahren prüfen lassen. Doch habe man sich noch nicht auf eine Variante festgelegt. Über solche Pläne hatte die Redaktion bereits am Dienstag berichtet.

Steegmans sagte weiter, die Minister für Umwelt und Wirtschaft, Norbert Röttgen (CDU) und Rainer Brüderle (FDP), sowie Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) hätten ursprünglich verabredet, Modelle für eine Laufzeitverlängerung von 5, 10, 15 und 20 Jahren berechnen zu lassen. Die Unions-Fraktion habe den Wunsch gehabt, auch ein Modell von 28 Jahren berechnen zu lassen. Dieser Beschluss sei der Bundesregierung Mitte der Woche übermittelt worden.

Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums sagte hierzu, aufgrund des Unions-Wunsches würden nun Rechenmodelle für 4,12,20 und 28 Jahre gerechnet. Es handele sich dabei um eine "relativ willkürliche Abstufung" und sei "keine Präferenz für mögliche Laufzeitenverlängerungen". Es würden für die verschiedenen Perioden etwa der Strombedarf oder der zu erwartende Energiemix prognostiziert.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) reagiert empört auf die Pläne der Bundesregierung. Das werde das Risiko, dass sich Störfälle ereignen, "massiv erhöhen", warnte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger am Freitag in Berlin. Zudem werde der Ausbau der erneuerbaren Energien blockiert.

Weiger betonte: "Jedes weitere Jahr Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke bedeutet zusätzliche 450 Tonnen hoch radioaktiven Atommüll. In 28 Jahren würde der Atommüll auf das Dreifache, das heißt auf über 18 000 Tonnen, wachsen." Angesichts der ungelösten Endlagerproblematik werde kommenden Generationen damit "ein nicht vertretbares atomares Erbe" aufgebürdet.