Innovativ

Regenerative Energie mit jeder Toilettenspülung

Innovative Ideen zur Energiegewinnung sind für die Umsetzung der Energiewende unerlässlich. In Hamburg wurde nun der erste Spatenstich für eine außergewöhnliche Abwasseranlage getan. Hier spielt die Toilette eine erhebliche Rolle: Deren Abwasser ist der Startpunkt eines Systems zur Erzeugung regenerativer Energie.

Wassertropfen© Wladimir Tolstich / Fotolia.com

Hamburg (red) - Die Freie und Hansestadt Hamburg nutzt das Konversionsprojekt "Lettow-Vorbeck-Kaserne" nicht nur zur Linderung ihres erheblichen Wohnungsbedarfs, sondern gleichzeitig zur Umsetzung eines umfassenden Projekts zur Energiegewinnung aus Abwasser. Die Hamburger Umweltsenatorin Jutta Blankenau und der Geschäftsführer von "Hamburg Wasser", Michael Beckereit konnten nun den symbolischen ersten Spatenstich für den Bau des neuartigen Abwassersystems mit dem Namen "Hamburg Water Cycle" im Neubaugebiet Jenfelder Au vollziehen.

Abwasser zur Energiegewinnung

Mit dem Hamburger Water Cycle entsteht mit über 600 angeschlossenen Wohneinheiten Europas größtes Wohnquartier, das Abwasserbeseitigung und Energieerzeugung miteinander kombiniert, berichtet die Kanzlei Gaßner, Groth, Siederer & Coll, die das Projekt berät.

Ausgangspunkt für die alternative Energieerzeugung wird das Toilettenabwasser, das sogenannte Schwarzwasser. Dieses erfasst der Hamburger Water Cycle in der Jenfelder Au separat und führt es einer Aufbereitungsanlage am Rande des Quartiers zu. Dort vergärt es, wodurch Biogas entsteht. Dieses wird mit Hilfe von Kraft-Wärme-Kopplung vor Ort zu Elektrizität und Wärme umgewandelt. "Auf diese Weise kann jede zweite Wohnung in der Jenfelder Au mit Strom versorgt werden. Außerdem werden rund 40 Prozent des Wärmebedarfs gedeckt", hob Michael Beckereit die Vorzüge des neuen Entwässerungssystems hervor.

Optimierung der Abwasseraufbereitung

Zusätzlich zur Biogasproduktion aus Abwasser bietet der Hamburger Water Cycle weiteres Potenzial, um die Abwasseraufbereitung zu optimieren. Die separate Ableitung des Toilettenabwassers eröffnet neue Wege, darin enthaltene Nähr- und Schadstoffe gezielter zurückzugewinnen bzw. zu behandeln. Zu diesem Zweck wird das Projekt wissenschaftlich begleitet. Dies und die bauliche Umsetzung wird von der EU-Kommission und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziell gefördert.