Öfter als bekannt

Regelmäßige Atom-Transporte auf deutschen Straßen

Transporte mit atomarem Material sind auf deutschen Straßen regelmäßiger unterwegs als bislang öffentlich bekannt. Zuletzt waren vor zwei Wochen sechs mit Uranhexafluorid beladene Transporter durch die Innenstadt von Prüm in der Eifel gefahren.

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Berlin (ddp/sm) - Nach Angaben der Bundesregierung gab es zwischen Anfang 2007 und Oktober 2008 allein 337 Transporte mit dem nuklearen Material Uranhexafluorid durch deutsches Hoheitsgebiet, darunter 307 Straßentransporte. Dabei wurden 2482 Behälter mit radioaktivem Material befördert. Dies geht aus einer der Nachrichtenagentur ddp vorliegenden Auflistung des Bundesumweltministeriums hervor.

In der Auflistung stehen ferner die Absender- und Empfängerunternehmen sowie deren Herkunftsland, nicht aber die genauen Start- und Zielorte der Transporte. Die genannten Firmen sitzen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Niederlanden, Russland und Südkorea.

Müller: Uran wird in größeren Mengen sicher transportiert

Auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl antwortete der Parlamentarische Staatssekretär Michael Müller (SPD): "Seit Beginn der friedlichen Nutzung der Kernernergie wird Uranhexafluorid in der Bundesrepublik Deutschland in größeren Mengen sicher transportiert." Dabei sei es niemals zu unfallbedingter Freisetzung von Uranhexafluorid gekommen.

Müller erläuterte, dass Uranhexafluorid in Deutschland in drei Arten befördert werde. Erstens als angereichertes Uran mit einem maximalen Anreicherungsgrad von fünf Prozent, zweitens als abgereichertes Uran und drittens als Natururan, das als "sonstiger radioaktiver Stoff" gelte. Zudem würden Restmengen von angereichertem Uran transportiert.

Nukleartransport durch die Innenstadt von Prüm

Ein vor zwei Wochen öffentlich gewordener Atom-Transport in Rheinland-Pfalz hatte Müllers Angaben zufolge Natururan geladen. Damals waren Lastwagen wegen einer Umleitung laut Augenzeugen und Bestätigung der Behörden durch die Innenstadt von Prüm gefahren. Die sechs Lkws einer niederländischen Spedition mit jeweils einem Uranhexafluorid-Zylinder waren auf dem Weg vom französischen Pierrelatte zur Urananreicherungsanlage im niederländischen Almelo, schrieb der Staatssekretär.

Müller betonte, eine strahlenschutzrechtliche Genehmigung für den Transport sei von der "zuständigen Behörde in Nordrhein-Westfalen" ausgestellt worden. Zudem seien die verkehrsrechtlichen Anforderungen "nach Angaben der Polizei in Rheinland-Pfalz" erfüllt gewesen. Eine von Bürgern alarmierte Polizeistreife hatte den Konvoi überprüft. Natururan-Frachten auf der Straße müssten laut Gesetz je nach Menge bei den "jeweils zuständigen Landesbehörden" angezeigt oder von diesen genehmigt werden, erklärte Müller.

Behörden in Rheinland-Pfalz nicht informiert

Für Schlagzeilen hatte der Transport gesorgt, da keine Behörde in Rheinland-Pfalz davon wusste und eine Anfrage zur Rechtslage der Genehmigungen erst einen Tag später beantwortet wurde. Demnach waren die Behörden in Rheinland-Pfalz nicht informiert gewesen, weil bei solchen Nukleartransporten die Genehmigung eines Bundeslandes auch im übrigen Bundesgebiet gilt, wie eine Sprecherin des Mainzer Umweltministeriums erklärt hatte. Das Bundesamt für Strahlenschutz hatte auf Anfrage erklärt, erst bei hochstrahlenden Substanzen wie bei Castor-Transporten zuständig zu sein.

Uranhexafluorid kann in Zentrifugen zu neuen Atombrennstäben für zivile Nutzung wie auch zu waffenfähigem Material verarbeitet werden.