Überblick

Rechte von Mietern und Vermietern bei Energie-Sanierung

Die Gebäude in Deutschland sollen nach dem Willen der Bundesregierung immer weniger Energie verbrauchen. Die Kosten für eine Sanierung können Vermieter schon heute auf die Miete umlegen. Was ist eigentlich rechtens, was dürfen Mieter bzw. Vermieter, und was nicht? Unser Überblick gibt Hilfestellung.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - Jeder Eigentümer eines Hauses kann frei darüber entscheiden, ob und wie er es energetisch saniert. Klassische Maßnahmen sind der Austausch der Heizung, die Dämmung von Wänden und Geschossdecken sowie der Einbau von besser abdichtenden Fenstern. Laut Vermieter-Verband Haus & Grund soll etwa die komplette energetische Sanierung einer 70-Quadratmeter-Wohnung aus dem Jahr 1970 rund 50.000 Euro kosten.

Gegen die Sanierung kann geklagt werden

Mieter können grundsätzlich gegen eine Sanierung klagen. Im Gesetz steht lediglich, dass Maßnahmen geduldet werden müssen, die der Erhaltung der Mietsache dienen. Ob Energiesanierung dazu gehört, ist rechtlich strittig. Zudem hat der Mieter das Recht, während der Arbeiten die Miete um 50 Prozent bis 100 Prozent zu kürzen - je nach Beeinträchtigung der Wohnqualität. Für eine Mieterhöhung muss der Vermieter zudem exakt nachweisen, wie hoch die Energieersparnis ist. Das ist laut Vermieter-Verbänden in der Praxis schwierig.

Elf Prozent können auf die Miete umgelegt werden

Nach geltendem Recht darf der Vermieter elf Prozent seiner Kosten - zu denen auch die Zinsen zählen - auf die Miete umlegen. Hat die Sanierung also 50.000 Euro gekostet, so kann er die Miete um bis zu 5500 Euro pro Jahr erhöhen. Das entspricht einer monatlichen Mietsteigerung von rund 460 Euro. Bundeskanzlerin Merkel hat angekündigt, dass die Vermieter künftig noch mehr ihrer Investitionen von den Mietern wiederholen können sollen.

Staatliche Förderungen und günstige Kredite

Die Energiesanierung von Gebäuden wird mit zinsgünstigen Krediten und Zuschüssen gefördert, vor allem über die Staatsbank KfW. Diese staatliche Förderung wird bei der Berechnung der Miet-Umlage von den Sanierungskosten abgezogen. Die Ersparnis durch die Förderung liegt in den meisten Fällen etwa bei zehn bis 20 Prozent. Die Mietsteigerung für die 70-Quadratmeter-Wohnung würde also von 460 Euro auf etwa 400 Euro sinken.

Angebliche Ersparnis dank Sanierung

Die Bundesregierung argumentiert, dass die Mieter von der Modernisierung von Gebäuden profitieren, weil weniger Nebenkosten für Heizung und Warmwasser anfallen. Laut Mieterbund machen die Mieter aber schon heute oft ein schlechtes Geschäft. Eine unsanierte Standardwohnung mit 70 Quadratmetern hat laut Mieterbund Heizkosten von rund 80 Euro. Nach einer Sanierung sinken diese Kosten demnach im Schnitt um rund 50 Prozent, also hier auf 40 Euro. Die Ersparnis von 40 Euro wäre deutlich niedriger als die Mieterhöhung.