Unter Protesten

Reaktorbehälter von AKW Rheinsberg auf dem Weg nach Lubmin

Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen ist heute morgen der Reaktor aus dem stillgelegten AKW Rheinsberg abtransportiert worden, er soll am Abend im atomaren Zwischenlager Lubmin eintreffen. Der Spezialwaggon passierte bereits die von Umweltaktivisten als marode bezeichneten Brücken bei Lindow.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Rheinsberg (ddp/sm) - Die Passage der drei Brücken sei reibungslos verlaufen, sagte Bahn-Sprecher Holger Auferkamp. Die Widerlager der Brücken hätten sich "keinen Millimeter bewegt". Er verwies darauf, dass die Brücken mehrfach überprüft und als sicher eingestuft worden seien. Brandenburgs Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) sagte, an zwei Brücken seien zusätzliche Stützen angebracht worden. Auch die Reststrahlung sei unbedenklich. "Wir haben am Behälter 20 Mikrosievert pro Stunde gemessen", sagte er. Das sei ein Fünftel dessen, was rechtlich zulässig sei.

Das Verwaltungsgericht Köln hatte nach Angaben der Energiewerke Nord GmbH (EWN) einstweilige Verfügungen abgewiesen, mit denen Bürgerinitiativen den Transport in letzter Minute stoppen wollten.

Wegen einer Blockade musste der Transport bei Dierberg südlich von Rheinsberg stoppen. Dort hatten sich nach Angaben der Bundespolizei zehn Atomkraftgegner mit einem Transparent auf die Gleise gestellt. Die Aktivisten verließen die Gleise nach einer Aufforderung freiwillig. Nach wenigen Minuten konnte der Zug seine Fahrt fortsetzen. Die Bundespolizei war in Brandenburg entlang der Strecke mit 350 Beamten präsent. Auch die Landespolizei hatte mehrere Hundert Beamte im Einsatz.

Atomgegner kritisieren fehlende Konzepte zur Lagerung

Kerstin Rudek von der niedersächsischen Bürgerinitiative Umweltschutz Lychow-Dannenberg kritisierte, aufgrund der maroden Brücken habe auf der Strecke ein hohes Sicherheitsrisiko bestanden. Zudem seien Atommülltransporte generell abzulehnen, solange es keine Konzepte zur Zwischen- und Endlagerung gebe. Deutschland müsse endlich solche Konzepte entwickeln und sämtliche Atomkraftwerke abschalten. Auch der Brandenburger NABU-Vorsitzende Tom Kirschey sagte, die Lagerung von radioaktivem Material im Zwischenlager Lubmin sei keine dauerhafte Lösung.

Mit dem Transport wurde erstmals in der Bundesrepublik ein kompletter Reaktor auf dem öffentlichen Schienennetz befördert. Das KKW wird seit 1995 schrittweise zurückgebaut. Der 70-Mega-Watt-Block war 1966 in Betrieb genommen und 1990 stillgelegt worden. Die Brennstäbe wurden bereits 2001 zerlegt und in Castorbehältern nach Lubmin gebracht.