Zusammenfassung

Reaktionen auf Weltklimabericht

In Paris wurde am Freitag der Weltklimabericht der Vereinten Nationen vorgestellt, der vor den dramatischen Entwicklungen des Klimas und deren Auswirkungen warnt. In Deutschland wurden die Warnungen von Politik, Verbänden und Institutionen aufgegriffen. Vielfach werden einschneidende Maßnahmen gefordert.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Wetzlar (red) - Die heute vorgestellte zusammenfassung des Reports beschreibt sechs mögliche Szenarien. Im besten Fall sei bis 2100 mit einer Erwärmung von 1,1 bis 2,9 Grad Celsius zu rechnen, im schlimmsten Fall mit 2,4 bis 6,4 Grad, so die Wissenschaftler. Am wahrscheinlichsten sei ein Anstieg um 1,7 bis 4 Grad. Der Meeresspiegel werde bis 2100 im besten Szenario um 19 bis 37 Zentimeter, im schlimmsten Fall um 26 bis 59 Zentimeter steigen.

Als entscheidend gilt die Formulierung, dass die Erwärmung der letzten 50 Jahre "sehr wahrscheinlich" durch vom Menschen verursachte Treibhausgase verursacht ist. Auch die weitere Entwicklung sei maßgeblich von menschlichen Verhalten abhängig

Bei der Vorstellung gleichzeitigen des Berichts in Berlin sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU): "Um den Klimawandel in vertretbaren Grenzen halten, müssen wir intensive Forschung betreiben und für eine schnelle Verbreitung klimaschonender Technologien sorgen. Zu diesem Zweck wird das Bundesforschungsministerium in den nächsten drei Jahren 255 Millionen Euro bereitstellen. Damit fördern wir unter anderem den Ausbau den Deutschen Klimarechenzentrums - dafür sind alleine 35 Millionen Euro vorgesehen."

Die Bundesforschungsministerin wird in Kürze ein Aktionsprogramm zum Klimawandel starten, das den Bedarf von Mensch und Gesellschaft in den Mittelpunkt stellt. "Zukunftweisend in diesem Aktionsprogramm werden technologische Lösungen für die wachsenden Volkswirtschaften unserer Erde sein. Damit öffnen wir auch neue Märkte für unsere Wirtschaft. Die Bundesregierung stellt sich der globalen Verantwortung, aufkommenden Volkswirtschaften Raum und Gelegenheit zu bieten, einen vergleichbaren materiellen Wohlstand zu erreichen", so Schavan.

Michael Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, erklärte dazu: "Der Bericht zeigt: Der Klimawandel ist unbezweifelbare Realität, er äußert sich bereits jetzt in immer mehr extremen Ereignissen wie Hitzewellen und Starkniederschlägen und im beschleunigten Abschmelzen von Gletschern und Eiskappen. Der Bericht bestätigt die Notwendigkeit einer ehrgeizigen Klimapolitik. Die Bundesregierung will die derzeitige EU- und G8-Präsidentschaften dazu nutzen, die EU-Vorreiterrolle weiterzuentwickeln. In diesem Jahr können und müssen wir entscheidende Weichen für ein multilaterales Klimaschutzregime für die Zeit nach 2012 stellen, um eine globale Erwärmung um mehr als 2 Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten zu verhindern“, so Michael Müller.

"Zentraler Bestandteil eines Verhandlungspaketes der EU für die kommenden Klimaverhandlungen ab Ende 2007 muss es sein, dass sich Industriestaaten, also auch die EU, auf eine Minderung der Treibhausgasemissionen um 30 Prozent bis 2020 gegenüber 1990 verpflichten. Darin sieht die Bundesregierung eine Chance, unsere führende Rolle bei Innovation und Technologieentwicklung auszubauen", so Müller.

Der Bericht ist der erste von 3 Teilbänden des 4. IPCC-Sachstandsberichtes. Der zweite Teilband beschäftigt sich mit den zu erwartenden Auswirkungen des Klimawandels, der dritte mit den Handlungsoptionen zur Vermeidung weiterer Treibhausgasemissionen. Ihre Veröffentlichung ist für Anfang April und Anfang Mai 2007 geplant.

Der Klimaberater der Bundesregierung, Vattenfall-Chef Lars Göran Josefsson sagte dem Tagesspiegel: "Der IPCC-Bericht muss aufrütteln. Wir weren das Problem des Klimawandel nur global lösen können, und daher ist es allerhöchste Zeit, ein neues Weltabkommen zur Reduzierung von Treibhausgasen auf den Weg zu bringen. Mit dem Vorsitz der G8-Gruppe und der EU-Ratspräsidentschaft kommt Deutschland dabei 2007 eine Schlüsselrolle zu."

Für die Grünen im Bundestag forderten Renate Künast und Reinhard Loske sofortiges Handeln der Bundesregierung. Die Senkung der Treibhausgasemissionen bis 2020 um mindestens 40 Prozent und bis 2050 um mindestens 80 Prozent gegenüber 1990 müsse umgehend durchgesetzt werden. Das schaffe die Grundlage, um bis Mitte 2007 ein EU-Ziel von minus 30 Prozent durchzusetzen. Niemand hindere Deutschland, mit gutem Beispiel voranzugehen. Während der G8-Präsidentschaft muss die Bundesregierung den Klimaschutz konsequent zum Thema machen und auch die US-Regierung mit Forderungen konfrontieren, so die Grünen-Politiker.

Die umweltpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke., Eva Bulling-Schröter, kritisierte vor allem Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU), der versuche CO2-Emissionsobergrenzen für PkWs zu verhindern und gegen anspruchsvolle Zielstellungen im Emissionshandel kämpfe.

Informationskampagne für Erneuerbare Energien verwies auf die Bedeutung der regenerativen Energien für den Klimaschutz. Allein die energiebedingten CO2-Emissionen betrugen im vergangenen Jahr zufolge weltweit etwa 27 Milliarden Tonnen. Durch erneuerbare Energien wurden hingegen 2006 nach Angaben der Branche weltweit mehr als 7 Milliarden Tonnen CO2 eingespart. Allein in Deutschland beträgt die Einsparung 100 Millionen Tonnen CO2. Bis 2012 sollen es bereits 120 Millionen Tonnen sein.

Erneuerbare Energien haben heute einen Anteil von 20 Prozent am globalen Endenergieverbrauch an Strom, Wärme und Kraftstoffen, so die Kampagne. Sie stellen die einzige weltweit verfügbare und gefahrlose Alternative zu den fossilen Energieträgern Öl, Gas und Kohle dar. Dass der Umstieg möglich ist, zeigt die kürzlich von Greenpeace und EREC vorgestellte Studie "energy(r)evolution". Demnach könne der CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2050 halbiert werden, wenn Energieeffizienz ernst genommen wird und die klimaneutralen und unendlich vorhandenen Erneuerbaren Energien weltweit massiv auf 50 Prozent des Energieverbrauchs ausgebaut werden.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert ein sofortiges Werbeverbot in deutschen Medien für Pkw mit CO2-Emissionen, die 50 Prozent und mehr über dem EU-Zielwert von 140 Gramm CO2 pro Kilometer für 2008 liegen", so Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. Nach Überzeugung der DUH muss die Bundesregierung der Automobilindustrie "unmissverständliche Zeichen für eine ab sofort stringentere Klimapolitik in Deutschland geben", um das 140 Gramm Klimaschutzziel bis 2008 doch noch zu erreichen. "Dazu ist das Werbeverbot für Klimakiller ein geeignetes, für jedermann nachvollziehbares Mittel", sagte Resch.

Der World Wide Fund For Nature (WWF) erwartet von der EU, ihrer selbst ernannten Führungsrolle in Klimafragen gerecht zu werden und sich auf dem kommenden EU-Gipfel im März zu einer Reduktion von Treibhausgasen um 30 Prozent bis 2020 zu verpflichten. Gleichzeitig sollte sich die EU ein bindendes Ziel zum Ausbau der erneuerbaren Energien von 25 Prozent setzen sowie einen strengen Energieeffizienzplan vereinbaren.

"Wer jetzt wie Bundeskanzlerin Merkel, Wirtschaftsminister Glos und EU-Industriekommisar Verheugen die falschen Prioritäten setzt und wirksame Regelungen zugunsten des Profits einzelner Wirtschaftszweige blockiert, gefährdet die Zukunftsfähigkeit Deutschlands", warnte der Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), Olaf Tschimpke.

Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac sagte zur Eröffnung einer internationalen Umweltkonferenz, es werde Zeit für eine Revolution. Chirac: "Die Revolution des Bewusstseins, die Revolution der Wirtschaft, die Revolution des politischen Handelns." Der Präsident sagte weiter: "Der Tag rückt näher, an dem der Klimawandel jeder Kontrolle entgleitet. Wir sind an der Schwelle der Unumkehrbarkeit." Er schlug eine "universelle Erklärung der Umweltrechte und -pflichten" vor.

Weiterführende Links
  • Deutsche Zusammenfassung des Berichtes [hier klicken]