Bundesnetzagentur

Reaktionen auf verordnete Netzentgeltsenkung: Fragwürdig oder erfreulich?

Gestern hat die Bundesnetzagentur weitere Entscheidungen zur Senkung der Netznutzungsentgelte verkündet und damit Hoffnung auf ebenfalls sinkende Strompreise gemacht. Während die betroffenen Konzerne RWE und EnBW die Entscheidung erwartungsgemäß kritisierten, gab es auch offene Freude.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Bonn (ddp-nrw) - Die Bundesnetzagentur verlangt nach Vattenfall nun auch von weiteren Energiekonzernen eine deutliche Reduzierung der Netznutzungsentgelte und macht Verbrauchern Hoffnung auf sinkende Strompreise. "Das Drittel der Preise, das durch Netzkosten begründet ist, wird sinken und im Endeffekt muss sich dies in den Strompreisen niederschlagen", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, dem "Handelsblatt" (Dienstagausgabe) in Düsseldorf. Die betroffenen Konzerne kritisierten die Entscheidung erwartungsgemäß, während der Bundesverband der Energieabnehmer (VEA) ein verstärktes Eingreifen der Bundesnetzagentur forderte.

Gestern hatte die Bundesnetzagentur auch für die Netzbetreiber RWE, EnBW und die E.ON-Tochter Thüringer Energienetze (TEN) eine Senkung der Gebühren um bis zu 14 Prozent angeordnet, die sie von anderen Anbietern für die Durchleitung von Strom durch ihr Netz verlangen.

RWE kritisierte daraufhin, durch die Entscheidung entstünden dem Konzern Umsatzeinbußen im hohen zweistelligen Millionenbereich. Die Auswirkungen auf das Ergebnis und auch die Folgen auf die Strompreise der Haushaltskunden ließen sich noch nicht genau abschätzen. EnBW hält die Entscheidung der Bundesnetzagentur für rechtlich fragwürdig und kündigte in Karlsruhe juristische Schritte gegen den Bescheid an. Gleichzeitig sprach das Unternehmen von "erheblichen wirtschaftlichen Einbußen", ohne konkrete Zahlen zu nennen. Es drohte weitere Einsparungen bei Betrieb und Ausbau des Höchstspannungsübertragungsnetzes an. Bei E.ON steht eine Entscheidung zu den überregionalen Netzentgelten noch aus. Doch auch hier werde "in Kürze" mit einem Kostenentscheid gerechnet, hieß es bei E.ON in Düsseldorf.

Der VEA kritisierte, dass die Netznutzungsentgelte auf hohem Niveau stagnierten. Ein wesentliches Manko auf dem deutschen Strommarkt seien die hohen Netzentgelte, mit deren Hilfe eine Reihe von Versorgern den Wettbewerb verhindere. Nach wie vor gebe es Preisunterschiede von mehr als 150 Prozent zwischen einzelnen Netzbetreibern. "Wir appellieren an die Regulierungsbehörde, ihre Strategie konsequent fortzusetzen und der Preistreiberei der Energiekonzerne Einhalt zu gebieten. Die bisherigen Fälle dürfen nur der Auftakt gewesen sein. Ziel muss es sein, die deutschen Unternehmen und Haushalte nachhaltig zu entlasten. Deshalb muss die Agentur jetzt im gesamten Bundesgebiet aktiv werden und gegen die unbegründet hohen Durchleitungstarife vorgehen", forderte Manfred Panitz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des VEA.

"Ein wichtiger erster Schritt ist gemacht", sagte auch Robert Mundt, Geschäftsführer des Berliner Energieanbieters FlexStrom GmbH. Die Netzagentur setze damit ein klares Zeichen, dass eine weitere Liberalisierung des Marktes politisch gewünscht sei. Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz begrüßte die Entscheidung der Bundesnetzagentur. Durch die Kürzung würden die Kosten für die Nutzung des Stromnetzes sinken. "Diese niedrigeren Kosten müssen in Form niedrigerer Strompreise automatisch an die Verbraucher weitergegeben werden", forderte er. Das habe das Wirtschaftsministerium als zuständige Preisaufsichtsbehörde in seinen Tarifgenehmigungsbescheiden an die Thüringer Stromversorger festgelegt. Reinholz sagte weiter, die Bundesnetzagentur mache eine gute Arbeit und trage dazu bei, einen ungebremsten Anstieg der Strompreise zu verhindern.