E.ON Hanse

Reaktionen auf Offenlegung: Schönes Rechenergebnis zur Volksverdummung

Während die einen es als "Einstieg in die Transparenz" begrüßen, bezeichnen andere die gestrige Offenlegung der Gaspreiskalkulation durch E.ON Hanse als "Dreistigkeit" oder "Volksverdummung". Kritisiert wird inbesondere das Fehlen des Rechenwegs. Wir haben die Reaktionen zusammengefasst.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Quickborn/Berlin/Wetzlar (ddp/sm) - Gestern hat der Energieversorger E.ON Hanse wie vom Hamburger Landgericht gefordert die Kalkulationspreise für seine etwa 500 000 Haushaltskunden im Hamburger Raum offen gelegt und gleichzeitig eine weitere Preiserhöhung um 10,5 Prozent für Januar angekündigt. Die Reaktionen darauf waren durchaus unterschiedlich.

VZ Hamburg: Offenlegung unzureichend

Verbraucherschützer beispielsweise kritisierten das Offenlegen als unzureichend. Sie forderten weiter gehende Angaben, denn die Zahlen zu den Bestandteilen der Kalkulation seien ohne Angaben zu deren Zustandekommen nicht aussagefähig, sagte der Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg, Günter Hörmann. Seiner Ansicht nach handelt es sich bei der veröffentlichten Kalkulation lediglich um eine "Behauptung". Die Begründung sei das Unternehmen schuldig geblieben. So sei nicht nachvollziehbar, wieso die Gasbezugskosten bei E.ON Hanse mit über 50 Prozent fast doppelt so hoch wie der Branchendurchschnitt ausfielen. Zumindest gegenüber dem Gericht müsse das Unternehmen jetzt die Lieferverträge vorlegen, sagte Hörmann weiter. Die Zahlen könnten daher auch keine Grundlage für weitere Preiserhöhungen sein. So lange das Unternehmen keine plausible Kalkulation vorlege, sehe er keinen Grund für ein Einlenken der Kunden, die die Zahlung verweigern, sagte Hörmann.

Bund der Energieverbraucher: Rechenweg fehlt

Auch Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher kritisierte die Haltung von E.ON Hanse. "Das ist ein schönes Rechenergebnis, aber der Rechenweg fehlt", sagte er dem Berliner "Tagesspiegel" (Dienstagausgabe). Die Kalkulation von E.ON-Hanse lasse sich daher nach wie vor nicht nachvollziehen. So könnten in den Netzkosten immer noch Gewinne versteckt sein, zum Beispiel in Form von kalkulatorischen Abschreibungen. Auch sei die Aufteilung der Kosten auf die verschiedenen Abnehmergruppen - vor allem zwischen Privatkunden und Industriekunden - immer noch unklar. "Wenn die Gaspreise angeblich nur ein durchlaufender Posten sind, ist es vollkommen unverständlich, warum die Konzerne so hohe Gewinne machen", sagte Peters der Zeitung. Er hoffe nun auf die Bundesnetzagentur, die ab kommendem Jahr die Gasnetzentgelte untersuchen wird.

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Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Bärbel Höhn forderte "Glasnost statt Geheimniskrämerei in der Gasindustrie". Ihrer Meinung nach ist die Offenlegung ein erster Schritt für alle Verbraucher, die sich gegen undurchsichtige Gaspreiserhöhungen zur Wehr setzen. Es dürfe nicht sein, dass schwarze Schafe unter den Gasversorgern die steigenden Importpreise für Öl und Gas missbrauchen, um gegenüber den Gaskunden überzogene Preissteigerungen durchzudrücken. Der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) versicherte unterdessen erneut, zu mehr Transparenz beitragen zu wollen: "Die Gasversorger wollen zukünftig ihren Kunden die Grundlagen der Gaspreisbildung sowie der Angemessenheit der Gaspreise verdeutlichen."

Börsen-Zeitung: Superkulisse für neue Preiserhöhung

In einem Kommentar von Gottfried Mehner in der Börsen-Zeitung heißt es treffend: "Es war eine Superkulisse, vor der 'Energiedienstleister' E.ON Hanse die nächste Preiserhöhung von zehn Prozent verkünden konnte. Das Hauptthema war eigentlich Offenlegung der Kalkulation der Gaspreise für Haushaltskunden. Aber dies entpuppte sich nur als geschickt gewählter Einstieg in die Konsequenz, dass Preisanpassungen zum Januar 2006 leider 'unumgänglich' sind." Gleichwohl sei ein Einstieg in mehr Transparenz gemacht worden, schreibt Mehner weiter. Allerdings sei der "Erkenntniswert" beschränkt. "Kein Unternehmen hat Probleme damit, nachzuweisen, dass die Kosten gestiegen sind. Viel wichtiger ist es aufzuspüren, wo Einsparungen noch möglich sind. Die Offenlegung der Zahlen sollte den Druck dazu erhöhen. Dies ist das Etappenziel."

Fricke: Zahlen nicht prüffähig

Der Jenaer Energierechtsexperte Thomas Fricke hält die vorgelegten Zahlen ebenfalls für "weder nachvollziehbar noch prüffähig". Seiner Meinung nach müssen dem Gericht vollständig nachvollziehbare Preiskalkulation vor und nach den einzelenen Preiserhöhungen vorgelegt werden. "Und zwar für alle Tarife und auch bezüglich der Industriekundenpreise, um sicher ausschließen zu können, dass besorgte Kostenverschiebungen zu Lasten der Haushaltskunden erfolgten."

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"Jetzt müssen die Norddeutschen bald mit dem Klingelbeutel für ihren regionalen Gasversorger E.ON Hanse von Haus zu Haus ziehen", kommentierte die Ulmer Südwest Presse zynisch. Es grenze an eine "Dreistigkeit", was der Erdgasversorger seinen Nord-Ableger aufführen ließ, heißt es weiter. Und: "Dieses Zahlenwerk ist kaum eines Blickes würdig. Volksverdummung nennt man es gemeinhin, wenn man einen Informationsgehalt vorgaukelt, der aber vorn und hinten nicht geliefert wird."

Loske: Erhebliche Mängel

Und auch Reinhard Loske (Grüne) erkannte "erhebliche Mängel" an den vorgelegten Gaspreiskalkulationen von E.ON Hanse. "Unsere Vermutung, dass Gasversorger systematisch missbräuchlich Preise kalkulieren und damit Privatkunden über Gebühr belasten, wird zudem durch ein internes Papier von E.ON Hanse bestätigt. Aus diesem Papier wird deutlich, dass E.ON Hanse alle Mittel ergreifen wollte, um überhöhte Kalkulationen und eigene Profite im Gasgeschäft entweder zu verdecken oder klein zu rechnen." Er vermutet daher systematische Manipulation bei der Kalkulierung von Gaspreisen.

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