Kommentare

Reaktionen auf DIW-Ölpreisprognose (Upd.)

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat die jüngst bekannt gewordenen Schätzungen des DIW zur Entwicklung des Ölpreises als "Kaffeesatzleserei" bezeichnet. Experten rechnen indes damit, dass im laufenden Jahr der Ölpreis spürbar sinkt.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Essen (ddp/sm) - Der Ölpreis ist erstmals über die Marke von 100 Dollar gestiegen. An der New Yorker Börse Nymex wurden am Donnerstagnachmittag 100,05 Dollar für ein Fass (159 Liter) der Sorte Light Sweet gezahlt. Bis zum Abend fiel der Preis auf knapp unter 100 Dollar zurück. Hintergrund für den Anstieg sind die wöchentlichen US-Rohöllagerbestandsdaten, die niedriger ausgefallen sind als erwartet. Am Vortag hatte der Ölpreis exakt die Marke von 100 Dollar erreicht. Im Januar 2007 lag er noch unter 50 Dollar.

Trotz der jüngsten Rekordwerte rechnen Ökonomen führender Banken für 2008 mit spürbar sinkenden Ölpreisen. "Bis Ende 2008 werden wir einen Rückgang des Ölpreises auf rund 80 Dollar je Fass sehen", sagte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, der Tageszeitung «Die Welt» (Freitagausgabe). Für eine Entspannung der Preise sorge vor allem der bevorstehende Abschwung in den USA und die dadurch sinkende Nachfrage nach dem Rohstoff. Auf den Märkten für Gas und Strom werde der Preisanstieg voraussichtlich aber weiter gehen, warnte Walter.

Auch sein Kollege Holger Schmieding, Chefvolkswirt Europa bei der Bank of America, erwartet bis zum Jahresende einen Ölpreis von "deutlich unter 90 Dollar, eher 80 Dollar" je Fass. Als Gründe dafür nannte er neben der schwächeren Weltwirtschaft die steigenden Investitionen in neue Ölförderstätten.

Der Generalsekretär der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC), Abdalla El-Badri, rechnet für das gerade begonnene Jahr mit einer Stabilisierung des Ölpreises. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires äußerte er sich zudem am Donnerstag verärgert über die anhaltenden Ölpreisschwankungen, die er allerdings als "temporär" bezeichnete. Für die jüngsten Entwicklungen machte er spekulative Handelsgeschäfte verantwortlich und nicht die Förderpolitik der OPEC.

Der jüngste Anstieg des Ölpreises ist dagegen nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. "Die Ölvorräte werden zunehmend knapp, und das wird die Preise weiter hochtreiben", sagte DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert der "Berliner Zeitung" (Donnerstagausgabe). "In fünf Jahren ist ein Ölpreis von 150 Dollar wahrscheinlich, in zehn Jahren sogar ein Preis von 200 Dollar", sagte die DIW-Expertin. Der jüngste Preisanstieg sei allerdings zu großen Teilen spekulationsbedingt. "Der Anteil am Ölpreis, der auf Spekulation zurückzuführen ist, dürfte etwa 20 Prozent betragen", sagte Kemfert.

Kritik an den Prognosen Kemferts übte der Wirtschaftsexperte Wolfgang Wiegard. «Angesichts der Unsicherheiten schon bei den jährlichen Wachstumsprognosen halte ich die Ölpreisprognosen des DIW bis 2013 und 2018 für mehr oder weniger gehobene Kaffeesatzleserei», sagte Wiegard der «Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung» (Freitagausgabe).