Cancun

Reaktionen auf Ausgang der Weltklimakonferenz

Das Ergebnis des Weltklimagipfels von Cancún ist in Deutschland auf ein geteiltes Echo gestoßen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte in Berlin, sie sei mit dem Ausgang der UN-Konferenz "sehr zufrieden". Umweltschützer und Oppositionspolitiker sprachen allenfalls von einem Teilerfolg.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Immerhin sei die Staatengemeinschaft einem neuen Klimaschutzvertrag ein Stück näher gekommen. Konkrete Schritte zur Verminderung der Treibhausgase könnten aber frühestens auf dem UN-Klimagipfel 2011 in Südafrika beschlossen werden.

Merkel sagte, in Mexiko sei man "einen guten Schritt nach vorne" gekommen. Es bleibe aber "sehr, sehr viel zu tun" auf dem Weg zu einem Anschlussabkommen für das Klimaprotokoll von Kyoto. "In dem Geist, in dem jetzt die Verhandlungen noch abgeschlossen werden konnten in letzter Minute, muss jetzt intensiv weitergearbeitet werden", forderte die Kanzlerin.

Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verlangte, jetzt den Schwung für ein weltweit verbindliches Klimaschutzabkommen zu nutzen und offene Fragen zügig zu klären. "Deutschland und die Europäische Union werden Vorreiter dieses Prozesses bleiben", versprach Westerwelle.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace erklärte, mit dem einstimmigen Beschluss über die Einrichtung eines Klimaschutzfonds und der Festlegung der Grenze der Erwärmung auf unter zwei Grad seien die Grundpfeiler für einen globalen Klimaschutzvertrag gelegt worden. Bis zur Konferenz 2011 in Durban gebe es aber noch viel zu tun: "Denn Cancun hat bisher nur den Prozess zur Erarbeitung des Klimaschutzvertrags gerettet, aber noch nicht das Klima selber."

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte, die Beschlüsse in Mexiko lieferten noch keinen akzeptablen Beitrag zur Minderung der Treibhausgase. "Leider haben Staaten wie die USA, Japan, Kanada, Australien und China weitere Fortschritte blockiert", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

Die Umweltstiftung WWF erklärte, jetzt müssten die einzelnen Staaten die Beschlüsse durch entschiedenes Handeln mit Leben füllen. "Dies bedeutet für die EU, schnellstmöglich die CO2-Reduktionsziele bis 2020 von 20 auf 30 Prozent zu erhöhen."

Erfolg nach drastisch gesenkten Erwartungen

Die Parteichefin der Grünen, Claudia Roth, begrüßte, dass es überhaupt einen Kompromiss gegeben hat. Die Ergebnisse reichten aber noch lange nicht aus, den Klimawandel einzudämmen. "Dafür braucht es endlich einen großen Wurf." Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Renate Künast, sagte, jetzt fange die Arbeit erst richtig an. "Deutschland hat die Verpflichtung, voranzugehen und die EU zu schieben."

Der klimaschutzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Frank Schwabe, sagte, Cancún habe das gebracht, was zu erreichen war. Dies sei ganz zweifellos ein positives Signal für den internationalen Klimaprozess: "Er bewegt sich doch", meinte Schwabe.

Die umweltpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Eva Bulling-Schröter, kommentierte, dass das Ergebnis von Cancún besser ausfalle als von vielen erwartet, könne nicht an der Substanz des Erreichten liegen. "Ausschlaggebend waren wohl eher die drastisch herunter geschraubten Erwartungen im Vorfeld."