Heute offizielle Bekanntgabe

RAG will als Evonik Industries an die Börse

Der aus der früheren Ruhrkohle hervorgegangene Industrie- und Kohlekonzern RAG leitet mit einer Umbenennung ein neues Kapitel seiner Geschichte ein. Unter dem Namen Evonik Industries AG sollen die Nichtbergbau-Sparten Chemie, Energie und Immobilien im ersten Halbjahr 2008 an die Börse gebracht werden.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Essen (ddp-nrw/sm) - Mit dem Namen Evonik verschwinden zugleich die traditionellen Unternehmensnamen Degussa, bisherige RAG-Chemiesparte, und Steag, Energiebereich der alten RAG. Auch den Namen RAG Immobilien wird es künftig nicht mehr geben. "Alle Markennamen gehen im Konzern unter", sagte Evonik-Vorstandschef Werner Müller.

Vollständiger Eigentümer des Konzerns bleibt bis zu dessen Börsengang die RAG-Stiftung, die Evoniks Gang aufs Parkett vorbereitet und auch künftig 25 Prozent des Konzerns behalten will. Unter ihrem Dach bleibt auch die Steinkohlesparte. Die dauerhaften Kosten des Bergbaus sollen nach dem für 2018 beschlossenen Ausstieg aus der subventionierten Steinkohleförderung durch die Erlöse aus dem Börsengang von Evonik gedeckt werden.

Evonik will von Ökotrend profitieren

"Wir sind gut aufgestellt und freuen uns auf den Kapitalmarkt", sagte Müller. "Unser Ziel ist, einer der kreativsten Industriekonzerne der Welt zu werden." Evonik wird nach seinen Worten vor allem vom "ökonomischen Megatrend Nr. 1" profitieren - von der weltweit wirtschaftlicheren und sparsameren Nutzung der Energieressourcen sowie von der Eindämmung des Ausstoßes des Klimagases Kohlendioxid. "Mit neuen, intelligenten Spitzenprodukten wird Evonik die Märkte der Zukunft erobern", prognostizierte Müller.

Als Beispiele nannte Müller die Produktion von Rohstoffen für die Solarindustrie wie vor allem Solarsilizium für Photovoltaikanlagen, in denen Evonik schon jetzt Spitze sei. Auch beim Angebot von Technik und Inhaltsstoffen für kraftstoffsparende Reifen sei die Evonik-Chemiesparte schon jetzt führend. Darüber hinaus sieht Müller in energiesparenden Werkstoffen aus Kunststoff, die vor allem in der Automobilindustrie sowie in der Luft- und Raumfahrt Metalle ersetzen sollen, einen wichtigen Zukunftsmarkt.

Aber auch in der Steinkohle, die in Deutschland vor dem Aus steht, sieht Müller für Evonik ein weltweit lukratives Geschäft. "Wir wollen unsere Technologieführerschaft einsetzen, um attraktive Kraftwerksprojekte umzusetzen, die einen wirksamen Beitrag zum globalen Klimaschutz leisten." Im Visier hat Evonik vor allem China, das seine Steinkohleverstromung derzeit jede Woche um rund 1000 Megawatt ausbaue.

Vorab-Einstieg eines Investors nicht ausgeschlossen

Mit Blick auf den Börsengang hält es Müller für denkbar, dass bereits im Vorfeld ein Teil der Aktien an einen Investor verkauft werden könnte. Dies werde derzeit zusammen mit dem Vorstand der RAG-Stiftung überlegt. Entschieden sei aber noch nichts.

Mit dem Verkauf einer ersten Tranche an einen Interessenten könne die Attraktivität von Evonik vor dem Börsengang gesteigert werden, fügte Müller hinzu. Man werde aber nur dann einen Investor als Anteilseigner aufnehmen, wenn dieser für die erste Tranche einen höheren Preis biete als an der Börse zu erzielen sei.

Die aus der RAG hervorgegangene Evonik Industries AG ist mit einem Jahresumsatz von zuletzt 14,8 Milliarden Euro (2006) und weltweit 43 000 Mitarbeitern in 43 Ländern eines der industriellen Schwergewichte in Deutschland. Der Umbau des Konzerns war von politischen Turbulenzen begleitet. Der RAG-Chef und jetzige Evonik-Vorstandsvorsitzende Werner Müller war als Chef der Stiftung favorisiert, aber von der CDU verhindert worden. Vorsitzender der Stiftung ist nun der frühere BP-Manager Wilhelm Bonse-Geuking.

Den Namenswechsel der RAG zu Evonik bekommt unterdessen auch der Fußballverein Borussia Dortmund zu spüren. Da das Unternehmen Hauptsponsor des Vereins ist, tragen die Spieler nun den neuen Konzernnamen auf ihren Trikots und machen Evonik damit einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

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