Bilanzpressekonferenz

RAG stellt Energiesäule neu auf

Mit den Worten "Wir sind für die nächsten Etappen gut gerüstet" fasste RAG-Vorstand Dr. Werner Müller die Neuordnung des Konzerns zusammen. Die Aktivitäten von der STEAG AG und der RAG Saarberg AG werden zusammengelegt, derart entsteht das fünftgrößte deutsche Energieunternehmen. Fest steht auch: Die Bergwerke Walsum und Lippe werden geschlossen.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (red) - "RAG ist auf dem Weg zum Konzern mit guten Wachstumsperspektiven und nachhaltigem Ergebnispotenzial einen großen Schritt vorangekommen", sagte Dr. Werner Müller, Vorstandsvorsitzender der RAG Aktiengesellschaft, auf der heutigen Bilanzpressekonferenz. Dabei besitze die wertorientierte Weiterentwicklung von RAG "höchste Priorität". Deshalb, so Müller, werde sich RAG auf Unternehmen konzentrieren, die in ihren Branchen zu den jeweiligen Markt-, Technologie- und Qualitätsführern gehören und die in Wachstumsbranchen auf lange Sicht nachhaltig positive Ergebnisbeiträge erzielen werden.

Der Essener Energie- und Chemiekonzern mit den Kerngeschäftsfeldern Energie, Chemie, Immobilien und Bergbau, werde mit seiner neuen Energiesäule die Chancen im Kraftwerksbau und in der Verstromung von Steinkohle nutzen und Degussa beim Ausbau der weltweit führenden Position in der Spezialchemie konsequent unterstützen, kündigte der RAG-Chef an. Gleichzeitig werde die Immobiliensparte weiterentwickelt und die Förderung des Rohstoffs deutsche Steinkohle "in die Zukunft geführt". Damit, sagte Müller, sei die neue Struktur von RAG definiert. "Gleichzeitig haben wir insbesondere in den Nicht-Kerngeschäftsfeldern umfangreich aufgeräumt, uns dabei von Verlustbringern getrennt oder verlustbringende Aktivitäten bereinigt", resümierte Müller. Die Restrukturierung habe zwar das Ergebnis belastet, so dass RAG bei einem Umsatz von 12,9 Milliarden Euro (Vorjahr: 13 Milliarden Euro) einen Jahresfehlbetrag von 60 Millionen Euro (Vorjahr: +18 Millionen Euro) ausweise. Der Schritt indes sei aber strategisch sinnvoll und betriebswirtschaftlich notwendig. Er sei die Voraussetzung für eine neue, schlanke und kerngesunde RAG. "Wir sind damit für die nächsten Etappen gut gerüstet", sagte Müller.

Restrukturierungen seien bei RÜTGERS und bei den nicht zur Energiesparte von Saarberg gehörenden Unternehmensteilen notwendig gewesen. Diese Maßnahmen bildetn die Basis für einen erfolgreichen Verkaufsprozess der abzugebenden Bereiche Automotive und RÜTGERS Kunststoffe und damit auch für den erfolgreichen Desinvestitionsprozess von RAG. Zudem wurde auch eine Abschreibung auf den Buchwert Degussa erforderlich. Trotz des Bündels an Belastungen fiel das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit mit 40 Millionen Euro (Vorjahr: 107 Millionen Euro) positiv aus. Vor allem RAG Coal International, RAG Immobilien, STEAG und der Energiebereich von RAG Saarberg erwiesen sich erneut als stabile Ergebnisträger, so Müller.

Desinvestitionsprozess kommt zügig voran

Die Bereinigung des Konzernportfolios komme zügig voran. "Wir sind zuversichtlich, die große Dynamik des "Desinvestitionsprozesses" beibehalten und bis Ende 2004 abschließen zu können", sagte Müller. RAG trenne sich im Rahmen dieses Prozesses von rund 22.000 Mitarbeitern und einem Umsatzvolumen von rund 4,5 Milliarden Euro, bilanzierte Müller. Die neue RAG besitze - bei erstmaliger Einbeziehung von Degussa - ein konzernweites Umsatzvolumen im Kerngeschäft in Höhe von rund 20 Milliarden Euro sowie rund 100.000 Mitarbeiter (Zahlenbasis 2003).

Degussa wichtiger Baustein der RAG-Strategie

Ein wichtiger Baustein der RAG-Strategie werde die Degussa AG sein. Mit der mehrheitlichen Übernahme des weltweit größten Spezialchemieunternehmens am 31. Mai werde das Geschäftsfeld Chemie künftig rund 50 Prozent des Konzernumsatzes erwirtschaften. Dies unterstreiche die Bedeutung des Geschäftsfeldes für die Weiterentwicklung von RAG. "Deshalb wird RAG auch weiterhin die wertorientierte Entwicklung von Degussa nachhaltig unterstützen", sagte Müller.

Neue Energiesäule mit guten Perspektiven

Neben der Chemie spiele das Geschäftsfeld Energie bei der weiteren Entwicklung von RAG eine bedeutende Rolle. "Mit der Schaffung einer neuen Energiesäule innerhalb des Konzerns, in der die deutschen Energieaktivitäten der STEAG und von RAG Saarberg AG zusammengeführt werden, tragen wir den großen Potenzialen im Zukunftsmarkt Energie Rechnung", so Müller. Als fünftgrößtes Energieunternehmen und zweitgrößter Steinkohleverstromer in Deutschland sei die neue Energiesäule - auch aufgrund ihrer technologischen Kompetenz - für den anstehenden großen Erneuerungsbedarf des deutschen Kraftwerksparks bestens gerüstet.

Deutsche Steinkohle AG mit neuer Struktur

Die Förderung von Steinkohle bleibe auch künftig ein Kerngeschäft des RAG-Konzerns. Um die Effizienz zu steigern, erhalte die Deutsche Steinkohle AG (DSK) eine neue Unternehmensstruktur. Eine straffere Struktur sowie die Bildung von Servicezentren sollen die Effizienz und Transparenz der Kostenverantwortung deutlich erhöhen. "Die neue prozessorientierte Struktur wird sich positiv auf die Kosten der Kohleförderung und Kokserzeugung auswirken", so Müller. Um eine enge Verzahnung der strategischen Steuerung der DSK zu gewährleisten, wird Bernd Tönjes, Vorstandsvorsitzender der DSK, ab dem 1. Juli 2004 neben seiner bisherigen Funktion weiteres Mitglied im RAG-Vorstand.

Um den in der nationalen Steinkohlevereinbarung vereinbarten Kohlesockel von 16 Millionen Tonnen in 2012 zu erreichen, wird die RAG nach den Bergwerken Warndt/Luisenthal zum 1. Januar 2006 und Lohberg/Osterfeld zum 31. März 2006 auch die Bergwerke Walsum zum 1. Januar 2009 und Lippe zum 1. Januar 2010 still legen. Eine weitere Kapazitätsanpassung im Jahr 2012 sei erforderlich, um den Steinkohlesockel zu erreichen.