Bilanz

RAG: Rekordergebnis vor Börsengang

Der Essener Konzern RAG sieht sich bei seiner Neuausrichtung "auf der Zielgeraden für den Börsengang". Man habe die Weiterentwicklung des RAG-Konzerns konsequent betrieben und die entscheidenden Voraussetzungen für einen erfolgreichen Börsengang geschaffen.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (ddp.djn/sm) - Es sei gelungen, in den vergangenen drei Jahren "aus einem Aschenputtel namens RAG einen modernen, effizienten und selbstbewussten Industriekonzern" zu formen, erklärte RAG-Vorstandsvorsitzender Werner Müller heute bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2005 in Essen. So habe die RAG im vergangenen Jahr beim Vorsteuerergebnis (Ebit) einen Rekordwert von 1,39 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Zum Jahreswechsel sei der Konzern "bereit für die entscheidende Phase" und den Börsengang im zweiten Quartal 2007, betonte der RAG-Vorstandschef. Zentrale Voraussetzung dafür sei die formale Übertragung des Konzerns auf eine noch zu gründende Stiftung. Anschließend solle RAG in zwei Unternehmen aufgeteilt werden: einen Industriekonzern, der die Geschäftsfelder Energie, Chemie und Immobilien - den "weißen Bereich" - umfasst, sowie den Bergbaukonzern, der weiter unter dem Namen RAG firmieren soll. Der Industriekonzern soll dann von der Stiftung unter neuem Namen in mehreren Tranchen an die Börse gebracht werden.

Als "entscheidenden Schritt" zum Industriekonzern bezeichnete Müller die vollständige Übernahme des Spezialchemie-Unternehmens Degussa. Mit E.ON habe man sich über eine Übernahme der von dem Energiekonzern gehaltenen Degussa-Anteile geeinigt. Auf der Degussa-Hauptversammlung Ende Mai sollen die noch verbliebenen Aktionäre der Übernahme zustimmen. Anschließend soll der Börsenhandel mit Degussa-Aktien eingestellt werden.

Zugleich verteidigte Müller das Modell des Börsengangs vor Kritik aus der Politik, dass durch das Abtrennen des hoch subventionierten Bergbaubereichs von den übrigen Geschäftsfeldern die Kosten der öffentlichen Hand zugeschoben würden. Sämtliche Erlöse aus dem Börsengang müssten der Stiftung zufließen, die das bisherige Bergbauvermögen dauerhaft verwalten soll. Die Haftung für die durch den Bergbau verursachten Kosten bleibe bestehen, betonte Müller.

Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums sagte in Düsseldorf, die Landesregierung wünsche dem Unternehmen eine gute Zukunft. Allerdings könne sie der Auflösung des Haftungsverbundes zwischen dem "weißen" und dem "schwarzen" Bereich nur zustimmen, wenn die noch offenen Fragen zum Thema Steinkohle geklärt seien.

Der Umsatz der RAG belief sich im vergangenen Jahr auf 21,9 Milliarden Euro und lag damit 19 Prozent über dem Wert von 2004. Ursache waren vor allem die erstmalige ganzjährige Einbeziehung von Degussa sowie die erhöhten Kohle- und Energiepreisen. Beim Ebit sei es erstmals gelungen, die Marke von einer Milliarde Euro deutlich zu überschreiten, hieß es. Das Nachsteuerergebnis sei auf 292 Millionen Euro beinahe verdreifacht worden.

Von Michael Bosse