Zukunftspläne

RAG plant Börsengang bis Sommer 2008

Der Börsengang des Konzerns soll bis Sommer 2008 gestemmt werden können, so RAG-Chef Werner Müller am Donnerstag. Die geplante Stiftung, die eine Sperrminorität behält, soll aus dem Börsengang Gelder für die schwer kalkulierbaren Ewigkeitskosten des Bergbaus ziehen.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (ddp/sm) - Der RAG-Konzern hat den geplanten Börsengang seines "Weißen Bereichs" mit den Sparten Energie, Chemie und Immobilien bis zum Sommer 2008 in Aussicht gestellt. Voraussetzung für die konkreten Planungen des Börsengangs sei die Verabschiedung des Kohlefinanzierungsgesetzes, sagte der RAG-Vorstandsvorsitzende Werner Müller am Donnerstag in Essen. Im Anschluss benötige der Konzern einen Zeitraum von etwa einem halben Jahr für weitere Vorbereitungen. Der Börsengang war ursprünglich bereits für Juni dieses Jahres geplant gewesen.

In einer ersten Tranche sollen 25 bis 30 Prozent des "Weißen Bereichs" an die Börse gebracht werden, erklärte Vorstandsmitglied Heinz-Joachim Wagner. Damit könne der Konzern zwar noch nicht in den Leitindex DAX aufgenommen werden. Man wäre dadurch aber "schon ein großes, starkes MDAX-Unternehmen", ergänzte Wagner. Die geplante neue Bergbaustiftung solle langfristig eine Sperrminorität von 25,1 Prozent an der RAG behalten, um dafür zu sorgen, dass der neue Konzern nicht voreilig zerschlagen werde, fügte Müller hinzu.

Laut RAG-Chef Müller wird der Börsengang des "Weißen Bereichs" mehr Wert schaffen als die wiederholt diskutierte Zerschlagung des Konzerns. Ein von der Bundesregierung in Auftrag gegebenes Gutachten habe festgestellt, dass der Erlös durch den Börsengang mit großer Sicherheit 5,1 Milliarden Euro betragen werde. Der Zerschlagungswert von rund 5,9 Milliarden Euro sei aber nur mit deutlichen Risiken zu realisieren. Nach seiner festen Überzeugung werde ein Börsengang in mehreren Schritten den Gutachterwert zudem "deutlich übersteigen".

Die geplante Stiftung, in die der defizitäre Bergbau ausgelagert werden soll, soll aus den Erlösen beim Börsengang und den Dividendenzahlungen bis 2018 rund acht Milliarden Euro erwirtschaften. Mit diesem Geld sollen die schwer kalkulierbaren Ewigkeitskosten des Bergbaus - die etwa durch die Stollensicherung oder das Abpumpen des Sickerwassers entstehen - bezahlt werden.

Müller sagte, er sehe das Unternehmen wegen seiner deutlichen Gewinnsteigerungen und den Verbesserungen bei der Konzernstruktur jetzt bereit für den geplanten Börsengang. Der "Weiße Bereich" habe 2006 die Kapitalmarktfähigkeit erreicht. Das Industriegeschäft habe seine Schlag- und Ertragskraft "eindrucksvoll erhöht".

Im fortgeführten Geschäft sei das Ergebnis vor Zinsen und Steuern des "Weißen Bereichs" 2006 um elf Prozent auf rund 1,2 Milliarden Euro geklettert. Das Konzernergebnis sei um 425 Prozent auf 1,05 Milliarden Euro gestiegen und habe einen neuen Höchstwert erreicht. Der Umsatz habe um vier Prozent auf 14,8 Milliarden Euro zugelegt.

Nach der Neuordnung des Industriegeschäfts hält RAG-Chef Müller auch externes Wachstum für möglich. Erstmals sei man in der Lage, sich mit Akquisitionsabsichten auf dem Markt umzusehen. "Wir können zukaufen. Und das werden wir auch tun", betonte Müller.

Des weiteren bestätigte die RAG am Donnerstag das Interesse des Stahlkonzerns Arcelor Mittal an dem saarländischen Gasversorger Saar Ferngas. Müller erklärte, RAG und Arcelor Mittal hätten vereinbart, dass der Stahlkonzern die zur RAG zählende Saar Ferngas kaufen könne, wenn das Kartellamt die Übernahme von Saar Ferngas durch den RWE-Konzern endgültig verbiete.