Gutachten abwarten

RAG: Land stellt Fragen zum Börsengang

Nach einem Bericht des Düsseldorfer "Handelsblattes" hat die nordrhein-westfälische Landesregierung weiterhin Vorbehalte gegen einen Börsengang des Essener RAG-Konzerns, sperrt sich aber nicht grundsätzlich dagegen. Gestern warb RAG-Chef Müller vor dem Wirtschaftsausschuss des Landtags um Unterstützung.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (red) - Land und Bundesregierung wollen dem Bericht zufolge ihre endgültige Zustimmung von dem Ergebnis eines weiteren Gutachtens abhängig machen, das bis zum Jahresende vorliegen und die Werthaltigkeit des gesamten RAG-Konzerns ermitteln soll. "Ich stelle nicht den Börsengang in Frage, sondern ich stelle Fragen zum Börsengang", zitiert das Blatt Landeswirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU).

RAG-Konzernvorstand Werner Müller verwies darauf, dass laut Gutachten der KPMG für Folgekosten und Altlasten des Bergbaus keine so genannte Durchgriffshaftung auf die Anteilseigner Eon, RWE und Thyssen-Krupp möglich sei. "Das heißt, dass das Land NRW und der Bund für alles aufkommen müssten, was nicht durch den Wert der bergbaufernen RAG-Sparten Immobilien, Energie und Chemie gedeckt ist," betonte Müller. Wenn der Wert des Konzerns nicht weiter gemindert, sondern gesteigert werden solle, gebe es zum Börsengang keine Alternative.

Müller plädierte für die Überführung des Bergbaus in eine Stiftung und die Finanzierung der Bergabaltlasten aus dem Erlös des Börsengangs. Bund und Land wollen dagegen zunächst Alternativen prüfen. Konkret sollen die Gutachter ermitteln, ob bei einer Zerschlagung und dem Einzelverkauf von Unternehmen höhere Einnahmen zu erzielen wären, als bei einem Börsengang der RAG als Komplettunternehmen.

Nordrhein-Westfalen macht die Zustimmung zum Börsengang vom endgültigen Ausstieg aus dem Steinkohlebergbau abhängig. Ob es eine Zerschlagung politisch durchsetzen kann, gilt als ungewiss. Auch RAG-Chef Müller kann sich nicht vorstellen, dass der Aufsichtsrat der RAG einer Zerschlagung des Konzerns zustimmen werde.

Insgesamt befassen sich drei Gutachten mit der Problematik. Die Anteilseigner der RAG – die Konzerne Eon, RWE und Thyssen-Krupp – haben die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst& Young beauftragt, den Wert für den gesamten Konzern in seiner aktuellen Struktur ermitteln. Bund und Land haben die Experten von KPMG beauftragt, die Kosten für einen endgültigen Ausstieg aus der Steinkohleförderung zu ermitteln. Nach vorläufigen Zahlen würde dies im Jahr 2014 knapp 14 Milliarden Euro kosten. Diese Summe wäre durch den verzinsten Emissionserlös der RAG und die Rückstellungen annhähernd gedeckt. Und in einem dritten Gutachten soll nun geprüft werden, ob bei einer Zerschlagung der RAG und dem anschließenden Verkauf einzelner Unternehmen ein höherer Betrag als bei dem Börsengang des Konglomerats erzielt werden könnte.

Weiterführende Links