Nebenverdienste

RAG-Chef Werner Müller bezog als Minister Rente von E.ON

Der frühere Wirtschaftsminister Werner Müller hat während seiner Amtszeit als parteiloser Minister eine Rente vom Energiekonzern E.ON bezogen. Seine Unabhängigkeit sah Müller, heute Vorstandschef der RAG, zu keiner Zeit gefährdet - eine Pension sei schließlich kein Gehalt.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin (ddp) - Der frühere Bundeswirtschaftsminister und heutige Vorstandschef der Essener Ruhrkohle-Konzerns (RAG), Werner Müller (parteilos), hat bereits während seiner Amtszeit als Minister eine Rente vom Energiekonzern E.ON bezogen. Als Rentenbeginn nannte Müller in der "Berliner Zeitung" (Dienstagausgabe) laut Vorabveröffentlichung den Januar 2002. Eine Beeinträchtigung seiner Unabhängigkeit als Minister habe er in dem Rentenanspruch zu keiner Zeit gesehen. Schließlich sei eine Pension kein Gehalt.

Er habe im Übrigen kein Geheimnis daraus gemacht, dass er vor seiner Berufung ins Ministeramt 25 Jahre als Manager in der Energiewirtschaft gearbeitet und damit auch Pensionsansprüche erworben habe, sagte Müller weiter. Seine Entscheidungen als Minister jedenfalls habe die E.ON-Rente nicht beeinflusst. "Ich hätte, spaßhaft gesagt, alle Atomkraftwerke von E.ON stilllegen können, an meinem Rentenanspruch und am Rentenbeginn im Januar 2002 hätte das nichts geändert", so Müller.

Zu der aktuellen Diskussion um Nebeneinkünfte von Politikern, sagte Müller, er sei dafür, die Nebentätigkeiten von Politikern offenzulegen. Allerdings schwäche es die Qualität der Politik, wenn zum Beispiel die Tatsache einer in 25 Berufsjahren verdienten Firmenrente, die Mitarbeit in der Politik verböte. "Wie so oft, sehe ich die Gefahr, dass wir angesichts der momentanen Debatte das Kind mit dem Bade ausschütten", sagte der Ex-Minister.

Müller, der im Oktober 2002 aus dem Kabinett ausschied, wurde 2003 Vorstandschef der RAG. An der RAG ist E.ON beteiligt.