Zu schnell

RAG-Chef Müller stößt angeblich bei Börsenstart auf Widerstand

Vielleicht kann der Chef des Bergbau-Konzerns RAG, Werner Müller, seinen Konzern doch nicht so schnell an die Börse bringen, wie er hofft. Einem Medienbericht zufolge will die NRW-Wirtschaftsministerin für die nötige Genehmigung belastbare Zahlen haben. Auch der Ex-Kanzler spielt vielleicht eine Rolle.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp-nrw/sm) - Der für 2007 geplante Börsengang der Essener Ruhrkohle AG (RAG) gerät angeblich ins Stocken. Der Kurs von RAG-Chef Werner Müller, möglichst rasch Fakten zu schaffen, stoße auf zunehmenden Widerstand in der Bundesregierung und der nordrhein-westfälischen Landesregierung, heißt es in einem Bericht des in Düsseldorf erscheinenden Magazins "Wirtschaftswoche".

Müller drücke immer mehr aufs Tempo, weil er befürchte, dass seine Pläne auf dem für Anfang April angesetzten nationalen Energiegipfel der Bundesregierung in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. So könne dort etwa die Frage aufgeworfen werden, ob nicht auch die Steinkohle weiter dazu beitragen müsse, die durch die Abschaltung der Atomkraftwerke entstehende Energielücke in Deutschland zu schließen, berichtet das Magazin. Dadurch könne Müllers Plan ins Rutschen geraten, aus der RAG ein börsennotiertes Konglomerat ohne den heutigen Steinkohle-Bergbau zu schmieden. Deshalb wolle der RAG-Chef die vollständige Übernahme der Chemietochter Degussa, an der sein Unternehmen bisher 51 Prozent halte, offenbar auf jeden Fall noch vor dem Gipfel in trockene Tücher bringen.

Für die Degussa-Übernahme brauche Müller die Genehmigung der Regierung in Nordrhein-Westfalen, heißt es in dem Magazin weiter. Landeswirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) wolle jedoch, dass Müller zunächst belastbare Zahlen über die Höhe der Altlasten aus dem Steinkohlebergbau der RAG vorlege, die im Gegenzug zu den Erlösen aus dem Börsengang des Unternehmens auf eine noch zu gründende Stiftung übertragen werden sollten. Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums lehnte am Freitag eine Stellungnahme dazu ab.

FDP-Fraktionschef Gerhard Papke sagte heute in Düsseldorf, die notwendige Zustimmung der schwarz-gelben Landesregierung zum Börsengang werde es nur bei einem Ausstieg aus dem subventionierten Bergbau geben. Papke eine "Gesamtlösung". Die schwarz-gelbe Koalition unterstütze den geplanten RAG-Börsengang grundsätzlich. Sie werde aber nicht akzeptieren, dass der schwarze Bereich des Unternehmens ausgegliedert werde, der Steuerzahler aber die Risiken einer Fortsetzung des Bergbaus trage solle.

Unterdessen steht Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) dem RAG-Konzern in Sachen Börsengang offenbar beratend zur Seite. Schröder hatte RAG-Chef Müller bei einen vertraulichen Gespräch am vergangenen Montag begleitet, an dem auch Bundeswirtschaftminister Michael Glos (CSU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) teilnahmen, berichtet die "Financial Times Deutschland" (Freitagausgabe). "Herr Schröder bespricht mit dem Vorstandsvorsitzenden gelegentlich Themen, weil beide seit 15 Jahren befreundet sind", bestätigte ein RAG-Sprecher dem Blatt den Kontakt.

Es bestehe jedoch kein Beratervertrag. "Ein Vertragsverhältnis existiert nicht und ist auch nicht geplant. Die Gespräche sind unentgeltlich", zitiert das Blatt den Sprecher weiter. Müller war im ersten Kabinett Schröder Bundeswirtschaftsminister.